19.02.2008

Gewählt: Deutschlands beste Arbeitgeber

Frank Asbeck, Vorstandschef der Solarworld AG
Frank Asbeck, Vorstandschef der Solarworld AG
© Michael Dannemann
Gute Mitarbeiter zu finden wird immer schwieriger. Nur durch attraktive Arbeitsplätze lassen sich Leistungsträger noch gewinnen. Wie das funk­tioniert, verraten die frisch gekürten 100 Vorzeige-Chefs. Und sie beweisen: Mit motivierten Mitarbeitern lassen sich auch die Gewinne steigern.

Othello dreht seine Runde durch die Büros, schnüffelt an Papierkörben und rekelt sich unter einem leeren Schreibtisch. Er ist einer von fünf Hunden, die Mitarbeiter der Consol Software GmbH täglich zur Arbeit mitbringen. Aus einem anderen Teambüro ist Kindergebrabbel zu hören. Tom, zweijähriger Filius der Personalerin Silke Cerkovnik, bekommt gerade eine frische Windel. Bei der Münchner IT-Firma ist vieles ungewöhnlich, sogar die Wandfarbe: Ein kräftiges Orange verbreitet Wärme und Gemütlichkeit. Alle Türen stehen offen, vertrautes Duzen ist Usus. Geschäftsführer Ulrich Schwan­engel ist für alle "der Uli".

Seinen 160 Mitarbeitern bietet der Firmenchef mehr als ein heimeliges Ambiente: Jeder erhält eine Gewinnbeteiligung. Allein die Mindestprämie betrug im vergangenen Jahr 4.800 Euro, Umsatzrekorde sind üblich. "Unsere Firmenkultur hat mit Ku­schel­romantik nichts im Sinn, wohl aber mit der Effizienz einer hoch motivierten Mannschaft", sagt Schwan­engel. "Bei uns sind Mitarbeiter Mit­unternehmer", so sein Erfolgsrezept. Dies belegt auch das Votum der Belegschaft: 99 Prozent fühlen sich ausreichend am Gewinn beteiligt.

Top 100: Mittelstand bestens vertreten

Consol-Chef Ulrich Schwanengel (Mitte) mit seinen Mitarbeitern.
Zoom Consol-Chef Ulrich Schwanengel (Mitte) mit seinen Mitarbeitern.
© Enno Kapitza

Dass "unser Uli der beste Chef ist", war den "Consolis" nichts Neues. Jetzt haben sie es auch offiziell. Der IT-Spezialist landet beim renommierten Wettbewerb "Deutschlands Beste Arbeitgeber 2008" auf dem ersten Platz. Auf Platz zwei schafft es die Cisco Systems GmbH, dicht gefolgt von der noch jungen Berliner 4flow AG auf Rang drei. Ohnehin schneidet der Mittelstand hervorragend ab: Jede zweite unter den ersten zehn vertretenen Firmen hat weniger als 500 Beschäftigte. Der beste Konzernvertreter: SAP auf Platz 18.

Kern des Arbeitgeberrankings ist die umfangreichste Mitarbeiter­be­fragung Deutschlands, an der in den vergangenen Monaten 48.000 Beschäftigte teilnahmen. Der Herausforderung, die eigenen Arbeitgeberqualitäten einem strengen externen Qualitätstest zu unterziehen, stellten sich 250 Firmen, 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Dass sie bereit waren, für den Evaluierungsprozess eine größenabhängige Aufwandsentschädigung zu zahlen, zeigt, welch überragende Bedeutung sie dem Thema "Umgang mit Mitarbeitern" beimessen.

Die Idee zu diesem Preis, der in 27 Ländern und seit 2002 auch hierzulande verliehen wird, kommt aus den USA. Das Great Place to Work Institute Deutschland und der Marktforscher Psychonomics mit Sitz in Köln übernehmen den nationalen Part, Hauptsponsor ist der Direktversicherer Asstel. Neben impulse und dem Schwestermagazin "Capital" ist die Initiative Neue Qualität der Arbeit des Bundesarbeitsministeriums weiterer Hauptpartner.

Zufriedene Mitarbeiter sind Erfolgsgarant

Jana Eggers, Vorstandsvorsitzende der Sprd.net AG
Jana Eggers, Vorstandsvorsitzende der Sprd.net AG
© Sprd.net AG

Was eine gelungene Mitarbeiterführung für die Firma bedeutet, zeigt auch eine Psychonomics-Studie: Danach hängen 30 Prozent des Unternehmenserfolgs von der Motivation und Zufriedenheit der Angestellten ab. Deutschlands beste Arbeitgeber wissen das und unternehmen viel, um ihre Mitarbeiter bei Laune zu halten. Denn nur wem die Arbeit Spaß macht, der legt sich richtig ins Zeug.

Eigenverantwortliches Handeln ist für die Consol Software GmbH das A und O des Erfolgs. "Wir schreiben unseren Mitarbeitern nicht im Detail vor, wie sie ihre Aufgabe zu lösen haben, sondern geben konkrete Ziele vor, die erreicht werden müssen", sagt Schwanengel. Das impliziert flache Hierarchien, in denen Aufpasser über­flüssig, aber gemeinsam erarbeitete Zielvorgaben nötig sind.

Generell gilt es dabei, die richtige Balance zwischen Freiheit und Leistung zu finden. "Wir verlangen viel, sind aber auch bereit, viel zu geben", sagt Jana Eggers. Die Vorstandsvorsitzende der Leipziger Sprd.net AG, einer der am stärksten expandierenden Internet-Companys Europas weiß, dass Mitarbeiter dieses Tempo nur mitgehen, wenn das Arbeitsklima stimmt. Dies schlägt sich in einem Platz unter den Top-100 nieder: Nahezu alle Mitarbeiter bestätigen dem Unternehmen eine freundliche Arbeitsatmosphäre. Immer neue Ideen beflügeln den Gemeinschaftsgeist der 270 Beschäftigten. Unter dem Motto "Little ­Spread­star" etwa läuft ein Projekt zur Unterstützung von Mitarbeitern mit Kindern. Hierbei kooperieren die Leipziger mit einer Agentur, die familienfreundliche Services wie Babysitting, Fahrdienst, Kindergarten- und Krippenplätze vermittelt.

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