13.05.2009

4500 Jobs in Gefahr: Schaeffler geht ans Eingemachte

Von: Gregor Haake (Hamburg)
Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler
Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler
© dpa
Der nächste Akt im Autozulieferer-Drama: Der Konzern setzt zum Kahlschlag an, 4500 Jobs stehen auf dem Spiel. Und Maria-Elisabeth Schaeffler verliert auch ihre letzten Verbündeten - die Mitarbeiter. Die IG Metall kündigt erbitterten Widerstand an.

Beim angeschlagenen fränkischen Unternehmen müssen 4500 Mitarbeiter in Deutschland zittern. Das ergebe sich aus dem Umbaukonzept des Konzerns, wonach die Personalkosten um 250 Millionen Euro gesenkt werden sollen, teilten Gesamtbetriebsrat und IG Metall am Mittwoch mit. Allein am Standort Schweinfurt würden 1034 Stellen wegfallen. In der Bundesrepublick hat Schaeffler 28.000 Mitarbeiter, weltweit sind es 66.000.

Der Wälzlagerhersteller will nach eigenen Angaben aber ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. "Würden wir dieses Kostenziel allein über den Abbau von Arbeitsplätzen erreichen wollen, entspräche dies einer Größenordnung von etwa 4500 Arbeitsplätzen. Wir haben allerdings von Anfang an klar gemacht, dass wir betriebsbedingte Kündigungen so weit wie möglich vermeiden wollen", sagte Geschäftsführer Jürgen Geissinger. "Wir setzen vielmehr auf eine Vielzahl anderer Maßnahmen, um die Personalkosten in Deutschland zu reduzieren und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten."

Ringen ums Überleben

Die Einschnitte sind ein wichtiger Punkt in dem Sanierungskonzept, mit dem das Familienunternehmen um Staatshilfe bittet. Schaeffler war im Sommer beim Reifenhersteller Continental eingestiegen und hat dafür einen Kredit über 10 Milliarden Euro aufgenommen. Seit der Übernahme von 90 Prozent an dem deutlich größeren Konkurrenten ist die Schaeffler-Gruppe mit Verbindlichkeiten von 12 Milliarden Euro überschuldet und ringt ums Überleben.

Als im Zuge der Wirtschaftskrise auch noch die Aufträge wegbrachen, bat Firmeninhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler damals um Staatshilfen in Höhe von 5 bis 6 Milliarden Euro.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" strebt Schaeffler nun jedoch nur noch Staatshilfen von 4 Milliarden Euro an. Es gehe um Unterstützung aus dem Bürgschaftsprogramm der staatlichen Förderbank KfW. Der Bund und jene Bundesländer, in denen Schaeffler Werke betreibe, sollten je zur Hälfte das Risiko tragen.

Gewerkschaft kündigt Gegenwehr an

Die Arbeitnehmervertreter kritisierten den Stellenabbau als falsche Antwort auf die Herausforderungen. "Betriebsräte und die IG Metall werden sich mit allen rechtlichen und gewerkschaftlichen Mitteln gegen den geplanten Personalabbau wehren", hieß es in einer Erklärung. "Nicht allein die Krise, sondern die hohe Verschuldung der Schaeffler-Gruppe treibt die Manager zu dieser Reaktion". Die Beschäftigten, die das Unternehmen groß gemacht und loyal zum Familienunternehmen gestanden hätten, sollten jetzt die Zeche zahlen.

IG Metall und Betreibsrat bemängelten zudem, dass Schaeffler bislang kein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt habe. Das Management müsse beantworten, wer die zukünftigen Eigentümer sein sollten und welchen Beitrag die Banken zur Sanierung leisten könnten.

16 Prozent Umsatzrückgang erwartet

Der Familienkonzern begründete sein Sparkonzept mit Umsatzrückgängen als Folge der Wirtschaftskrise. Alleine die Automotivesparte habe im ersten Quartal 33 Prozent weniger Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet Schaeffler einen konzernweiten Umsatzrückgang um 16 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro.

Die Mitarbeiter waren am Morgen in Betriebsversammlungen über die Pläne informiert worden. Ein Schaeffler-Sprecher sagte, allgemein habe es Erleichterung gegeben, dass der Konzern keinen radikalen Stellenabbau plane, sondern das Einsparziel über andere Wege erreichen wolle. Die IG Metall Bayern widersprach dieser Darstellung. Zumindest bei der Versammlung in Schweinfurt hätten "Wut und Entsetzen" geherrscht. Die Belegschaft, die vor wenigen Wochen noch so rührend hinter die Unternehmenschefin gestellt hat dürfte bei mehreren für Mittwoch geplanten Demonstrationen insgesamt wohl nur wenig Verständnis zeigen.

Mit Agenturen

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