Unternehmen 125 Jahre Gesamtmetall: Wie der Verband die Wirtschaftswelt veränderte

Metall-Tarifverhandlungen im Jahr 1967: IG Metall Bezirksleiter Willi Bleicher (3.v.l.), der Vorsitzende Gesamtmetall, Herbert van Hüllen (2.v.r.) und Hanns Martin Schleyer (r), der Vorsitzende des Verbandes württembergisch-badischer Metallindustrieller.

Metall-Tarifverhandlungen im Jahr 1967: IG Metall Bezirksleiter Willi Bleicher (3.v.l.), der Vorsitzende Gesamtmetall, Herbert van Hüllen (2.v.r.) und Hanns Martin Schleyer (r), der Vorsitzende des Verbandes württembergisch-badischer Metallindustrieller. © dpa / Picture Alliance

Vor 125 Jahren wurde der Arbeitgeberverband Gesamtmetall gegründet – zur Abwehr staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft. Wie alles begann – und der Branchenverband zum mächtigen Interessenvertreter wurde.

Die Eigendarstellung kommt unbescheiden daher: „Wir sind das Herz der Wirtschaft“, heißt der Leitspruch des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Dabei ist der Verband inzwischen einer der mächtigsten Vertreter der deutschen Wirtschaft: Er vertritt die Interessen von mehr als 23.000 Betrieben in Deutschland mit 3,7 Millionen Beschäftigten. Zusammen kommen sie auf gut 1000 Milliarden Euro Umsatz. In diesem Jahr feiert Gesamtmetall sein 125. Jubiläum.

Bundespräsident Joachim Gauck wird am 12. Juni die Festrede halten bei einer Feier im Berliner Ensemble, dem Gebäude, das 1892 als Neues Theater eröffnet wurde und damit fast so alt ist wie Gesamtmetall. Auch IG-Metall-Chef Detlef Wetzel kommt und diskutiert mit Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer auf dem Podium.

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Heute sind die Autohersteller Volkswagen, Daimler, BMW und Audi, der Elektrokonzern Siemens, der Technikausrüster Robert Bosch und der Stahlkonzern ThyssenKrupp die größten Unternehmen der Branche. Zum Herzen gehört aber auch eine Fülle an kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Wie alles begann

Fünf Metallverbände aus Berlin, Braunschweig, Hannover, Leipzig und Magdeburg gründeten am 19. März 1890 in Berlin den Verband Deutscher Metallindustrieller, der wenige Wochen später, am 9. Juni, in „Gesamtverband“ umbenannt wurde. Die neue Spitzenorganisation sollte im Deutschen Reich die Abwehr von Streiks der noch jungen Gewerkschaften koordinieren. Die damals schnell wachsende Metallindustrie wollte eine vom Staat angestrebte Zwangsschlichtung verhindern.

Vor dem Hintergrund der November-Revolution 1918 schlossen Arbeitgeber und Gewerkschaften ein historisches Abkommen, das die Tarifautonomie festschrieb und den Achtstundentag garantierte. Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, zerschlugen sie die Gewerkschaften. Staatliche „Treuhänder der Arbeit“ übernahmen die Aufgaben der Tarifparteien, der Metall-Gesamtverband löste sich im Dezember 1933 auf.

Der Neuaufbau begann 1949. Das deutsche Wirtschaftswunder führte in den 1960er und 1970er Jahren zu heftigen Tarifkonflikten mit langen Streiks über Einkommenserhöhungen und Sozialstandards, etwa die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. In der Tarifrunde 1974 wurde mit der IG Metall das Prinzip des Pilotabschlusses vereinbart – der erste Abschluss in einem Tarifbezirk liefert seitdem die Vorlage für die anderen.

Historische Veränderungen

Nach dem Mauerfall 1989 entstanden auch in Ostdeutschland regionale Verbände, die sich Gesamtmetall angeschlossen. Mit dem Entgelt-Rahmenabkommen (ERA) gelang es Gesamtmetall und IG Metall 2003, die Trennung von Arbeitern und Angestellten im Tarifsystem abzuschaffen. Im selben Jahr zog der Verband von Köln wieder an seinen früheren Sitz in Berlin-Mitte, wo gut 40 Mitarbeiter tätig sind.

An der Tariffront herrscht derzeit Ruhe. Der jüngste Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie gelang vor drei Monaten, die nächste Runde steht erst im Frühjahr 2016 an. Die Bundesregierung, die sich sonst aus dem Tarifgeschäft heraushalten soll, hat Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger zuletzt erfreut. Mit ihrem Gesetz zur Tarifeinheit, das der Bundestag im Mai beschlossen hat, werde „das Prinzip ‚Ein Betrieb – ein Tarifvertrag‘ endlich wieder hergestellt“, sagte der Unternehmer aus Heidelberg.

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