Irgendwie ähneln sie sich, diese Wohnungen. Das Dreizimmerheim mit den niedrigen Decken in der Petersilienstraße 13 in Osterode. Oder das Mehrfamilienhaus in Bückeburgs Trompeterstraße. Dort ist eine "schöne Einzimmerwohnung" für 163 Euro kalt frei, die "ideal geeignet für Studenten" sei, heißt es im Internet. Alle "Objekte" befinden sich in Innenstädten, in denen "sämtliche Geschäfte des täglichen Bedarfs, Ärzte und Freizeiteinrichtungen" in "unmittelbarer Nähe" seien. Alle Wohnungen wurden in den 70er-Jahren gebaut. Und alle sind billig.
Willkommen bei Aldi Nord! Der Lebensmitteldiscounter des am Samstag verstorbenen drittreichsten Deutschen Theo Albrecht mag zwar mit dem Verkauf von der Palette den deutschen Lebensmittelhandel revolutioniert haben. Er mag mit Aldi-Champagner und Medion-Billigcomputern bekannt geworden sein. Doch ein Großteil des Vermögens des geschätzt 13 Milliarden Euro schweren Familienclans steckt in Immobilien, und zwar auch in solchen, die man bei Aldi nicht vermuten würde: Büros, Restaurants, sogar Bowlingbahnen.
Das, was leer steht, wird praktischerweise - und wie es sich für Aldi gehört - gleich mit auf der offiziellen Firmenwebsite vermakelt: Neben Markus Kaffee Gold für 2,49 Euro, neben Milfina-Milch und Heiko Blume Waldmeister Liqueur, listet die Webpräsenz 132 Immobilien auf, für die Mieter gesucht werden. Nur ein ehemaliger Aldi-Laden steht dagegen zum Verkauf.
Wie groß das Immobilienvermögen ist, wissen wohl nicht mal die damit befassten Aldi-Angestellten. Theo Albrecht selbst, seine Frau Cäcilie, die Markus-, Jakobus- und Lukas-Stiftungen der Familie haben sich direkt in Immobilien eingekauft oder in zwischengeschaltete Firmen wie der Talbey Grundstücksgesellschaft in Luxemburg.
Experten glauben aber: Viele der rund 2400 deutschen Aldi-Läden und der gut 2000 Filialen im Ausland sind auch im Grundbesitz des Albrecht-Konglomerats. In Maklerkreisen ist die Kaufwut Aldis legendär: Während Lidl und Edeka-Netto vorrangig nach Mietobjekten Ausschau hielten, "zahlen die gerne Cash" für Grundstücke und Bauleistungen, sagt ein Makler. Finanziert über Banken werde selten.
So erklärt sich, warum Aldi Nord ein erkleckliches Angebot an Wohnungen in petto hat: "Das waren Auflagen der Bauämter", erzählt der Chef einer großen Immobilienfirma. Viele Gemeinden wollten sich ihr Innenstadtbild nicht von einstöckigen Norm-Aldis zerschießen lassen. Also mussten Albrechts Mannen aufstocken, manchmal zig Etagen hoch. "Im ersten Stock sind die Büros, obendrüber Wohnungen", erklärt der Makler.
Das mit den Büros hat zumindest nicht in Brake an der Weser funktioniert. Dort hat Aldi offenkundig Arbeitsfläche zu einer Mietwohnung umgewidmet: 155 Quadratmeter mitten im Ortszentrum für 470 Euro kalt. Wie im Aldi-Laden kann man für diesen Spottpreis nicht viel Komfort erwarten: An den Decken hängen noch alte Rigipsplatten, eine Badewanne sucht man in der weitläufigen Behausung auch vergebens. Aber so ist das eben. Bei Aldis Häuserrampe im Internet.
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