Der hoch verschuldete Familienkonzern Schaeffler treibt seinen Umbau plangemäß voran. Am Montag segnete der Aufsichtsrat unter Leitung von Mehrheitseigner Georg Schaeffler die Umwandlung der Schaeffler GmbH in eine Aktiengesellschaft ab. Darin ist das gesamte operative Geschäft des fränkischen Spezialisten für Präzisionsteile zusammengefasst.
"Wir gewinnen dadurch mehr unternehmerische Flexibilität und erhöhten Kapitalmarktzugang", schrieben Georg und seine Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler in einem Mitarbeiterbrief. Den Aktienmarkt meinen sie damit allerdings nicht: "Um jedem Gerücht vorzubeugen, wir planen keinen Börsengang."
Mit der Umwandlung erfüllt das Familienunternehmen eine Forderung seiner Banken. Die Kreditinstitute um die Commerzbank hatten Schaeffler 2008 die fast 12 Mrd. Euro teure Mehrheitsübernahme des dreimal so großen Hannoveraner Zulieferkonzerns Continental finanziert, die Schaeffler in der anschließenden Krise beinahe in den Ruin getrieben hätte. Seither wurden die enormen Schulden bereits zweimal umgebaut und der zuvor extrem verschwiegene, intransparente Familienkonzern schafft parallel dazu die Strukturen einer Kapitalgesellschaft. Die Eintragung der AG in das Handelsregister wird im Oktober erwartet.
"Wir wollen uns neue Finanzierungsquellen erschließen, das gilt für die Eigenkapital- wie für die Fremdkapitalseite", hatte Finanzchef Klaus Rosenfeld vor einigen Monaten gesagt. So will Schaeffler eine Anleihe begeben, wobei diese Pläne wegen der extrem schwierigen Situation am Anleihemarkt derzeit nicht realisierbar sind. Mittelfristig kommt der Familienkonzern auch um die Aufnahme frischen Eigenkapitals kaum herum - von der Börse oder von Investoren.
Zwar konnte Schaeffler (9,5 Mrd. Euro Umsatz, 70.000 Mitarbeiter) in den vergangenen Monaten dank der hervorragenden Geschäftsentwicklung erstmals Schulden tilgen und zahlte den Instituten 2,2 Mrd. Euro zurück. Den ganzen Berg aus eigener Kraft abzutragen scheint jedoch nach wie vor kaum möglich: Denn zu den Schulden der operativen Gesellschaft von deutlich über 6 Mrd. Euro kommt hinzu, dass auf der darüber liegenden Schaeffler Holding weitere 5 Mrd. Euro an Krediten lasten. Die Holding hält die operative Gesellschaft sowie einen Teil der insgesamt 60 Prozent an Conti. Für die Holding-Kredite zahlt Schaeffler keine Tilgung und überweist laufend auch nur einen Teil der 9,6 Prozent teuren Zinsen, sodass auf Holding-Ebene der Schuldenberg sogar wächst.
Quelle: ftd.de
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