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06.08.2010

Anwendungen fürs Handy: Haste mal 'ne App?

Das Lokal Riva auf dem iPhone
Zoom Das Lokal Riva auf dem iPhone
© Liquid Air Lab
Clevere Applikationen machen Smartphones zu Werbeträ­gern und sorgen für Kontakt zum Kunden. Jetzt sind sie schon für ein paar Hundert Euro zu haben – durch Baukastenlösungen.

Bei einer Kaltakquise offene Türen einzurennen passiert auch Tanja Engler eher selten. Als die Marketingchefin der Stuttgarter Software­schmiede Liquid Air Lab im Hotel "Der Zauberlehrling" anklingelte, kam sie kaum wieder los. "Ich bin sofort angesprungen", sagt Hotelchef Axel Heldmann, "auf so etwas hatte ich lange gewartet."

Mal was Frisches Thorsten Lindner, Direktor des Atlas Grand Hotel in Garmisch-Partenkirchen, will mit einer App Stammgäste ansprechen
Zoom Mal was Frisches Thorsten Lindner, Direktor des Atlas Grand Hotel in Garmisch-Partenkirchen, will mit einer App Stammgäste ansprechen
© Falk Heller

Er kaufte ein kleines Programm, das sich seine Gäste nun kostenlos auf ihr Smartphone laden können. Wer diese sogenannte App (kurz für Application, auf Deutsch: Anwendung) installiert hat, kann schon vor der Anreise in der Speisekarte blättern oder einen Video- und Fotorundgang durchs Haus machen. Zum Reservieren tippt der Gast auf die angezeigte Telefonnummer, schon ruft das Edelhandy die Wirtsleute an. Demnächst soll auch das Internetbuchungssystem Opentable eingebunden werden; dann zeigt die App den Gästen an, wann ein Tisch frei ist.

Noch im vorigen Jahr wäre so ein Vorhaben für ein inhabergeführtes Hotel ein paar Nummern zu groß gewesen, die Kosten hätten in einem absurden Verhältnis gestanden zur geringen Zahl von Gästen, die ein passendes Handy besitzen. Wer eine attraktive iPhone-App entwickeln lassen wollte, musste sich auf eine Rechnung über 10.000 Euro gefasst machen - plus Zuschlag für die Anpassung an Betriebssysteme von Nokia, RIM (Blackberry) oder Google. Jedes der Systeme hat zudem seinen eigenen Online-App-Store mit eigenen AGB und Nutzungsverträgen. Deshalb leisteten sich fast nur Großunternehmen wie Bahn, Post, Banken, Medienkonzerne oder bekannte Markenartikler den Luxus.

Das Hotel Atlas auf dem iPhone
Zoom Das Hotel Atlas auf dem iPhone
© Liquid Air Lab

Liquid Air Lab will mit Pilotkunden wie dem Zauberlehrling-Hotel beweisen, dass es auch anders geht. Der 47-jährige Chef der Softwarefirma, Mikko Linnamäki, verspricht, die Einstiegskosten in den dreistelligen Euro-Bereich zu drücken. Der Hebel: Er betreibt die Programmentwicklung nicht mehr als Einzelanfertigung, sondern modular. Im August schaltet er den Softwarebaukasten My App Studio als Do-it-yourself-Service im Internet frei. "Es geht sofort auf die Masse", sagt Linnamäki, "es wird sofort günstig." Nicht nur fürs iPhone, sondern auch für Blackberrys, Android- und Samsung-Handys sowie verschiedene Nokia-Produktlinien. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich, der Nutzer wählt aus einem Repertoire an Vorlagen, in die er Texte, Fotos, Videos und das Firmenlogo einfügt. Der Grundbaukasten soll 99 Euro kosten, die monatliche Servicepauschale geht bei 29 Euro los. "Bis kommenden Sommer werden wir 3000 bis 5000 Apps in den App-Stores haben", hofft Linnamäki.

Die Zahl der Nutzer von prozessorstarken, internetfähigen Handys wird auf jeden Fall steigen. Ende 2009 besaß laut der Technologieberatung Accenture fast jeder fünfte deutsche Mobiltelefonierer ein Smartphone; der Verband Bitkom erwartet dieses Jahr einen Absatz von acht Millionen Geräten. Für 2013 hat die Unternehmensberatung Booz & Company den weltweiten Bestand an App-fähigen Handys auf eine Milliarde hochgerechnet.

Hinter dem Begriff Smartphone verbergen sich unterschiedliche Geräte. Wie intensiv damit Onlineangebote genutzt werden, hängt nicht nur vom Handy ab, sondern auch vom Ausbau der Funknetze und von den Datentarifen der Anbieter. Roman Friedrich, Branchenexperte bei Booz, spricht gleichwohl von einer milliardenschweren "App-Economy" als "nachhaltigem Trend".

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