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15.07.2010

Aufstieg einer Firma: Vom Sanierungsfall zum Global Player

Von: Claus Schmalholz, Benno Stieber
Edlef Bartl, Geschäftsführer und Inhaber der Mayer Kuvert Gmbh & CoKG
Zoom Edlef Bartl, Geschäftsführer und Inhaber der Mayer Kuvert Gmbh & CoKG
Angriff ist die beste Verteidigung: Wenn reihum die Kleinen sterben, muss man versuchen, selbst ein Großer zu werden. So wurde die Pleitefirma Mayer-Kuvert zum Marktführer in Europa.

Edlef Bartl war 33 Jahre alt, als er eine Firma geschenkt bekam und obendrauf noch 1 Millionen DM. Klingt ganz nach: Bingo! Der Haken an der Sache: Das Unternehmen Mayer, ein Hersteller von Briefkuverts in Heilbronn, war 1984 praktisch pleite, die Millionenspritze eine Dreingabe der schwedischen Eigentümer, die sich die sieche Beteiligung auf diesem Wege vom Halse schaffen wollten.

Bartl musste den Laden schleunigst in die Gewinnzone bringen, sonst drohte der 100 Jahre alten Firma und ihren 100 Mitarbeitern die Insolvenz. Zeit zum Grübeln gab es nicht. Die brauchte der neue Chef auch nicht, denn er hatte einen Plan: Bartl wollte die Vielzahl der kleinen, spezialisierten Kuverthersteller im Land zu einem schlagkräftigen Verbund zusammenschmieden. Jeder konzentriert sich auf seine Stärken und profitiert zugleich vom gemeinsamen Vertrieb, vom gemeinsamen Einkauf und so weiter.

Bartls Vision von einem schlagkräftigen Verbund

Auf diese Weise, so Bartls Kalkül, ließe sich ein Unternehmen erschaffen, das die Gesetze der Branche umkrempelt. Kleine, flexible Fertigungsstätten für ein breites Angebot verschiedenartigster Briefumschläge, an einzelnen Standorten große Maschinen für große Stückzahlen für die kostengünstige Produktion.

Gemeinsam sind wir stark. Das war die Botschaft, die Bartl verbreiten wollte bei den anderen Hüllenherstellern, die oftmals noch in den Strukturen ihrer Gründung im 19. Jahrhundert steckten und so an den Rand der Pleite gerutscht waren. Er ging auf seine Konkurrenten zu, um sie in vertraulichen Gesprächen auf Fachmessen und in Hinterzimmern für seinen Plan zu gewinnen. Doch fast überall stieß Bartl auf versteinerte Gesichter. Während die einen überhaupt nicht verstanden, was er von ihnen wollte, lehnten die anderen empört ab. Bartl: "Das war eine stockkonservative Branche damals."

Das ist sie noch immer. Aber das Standing von Edlef Bartl hat sich gewaltig geändert. Sein Plan, so verwegen er damals auch schien, ist aufgegangen. Der Nobody von einst hat aus einer pleite bedrohten Firma eine Gruppe von Kuvert­herstellern aufgebaut, die weltweit in 23 Ländern agiert und zu Europas größtem Hersteller von Briefumschlägen herangewachsen ist. 300 Millionen Euro erwirtschaftet Mayer-Kuvert Network heute - wobei Bartl "Netzwerk" recht eigen definiert.

Maximale Eigenständigkeit in den Strukturen eines Großunternehmens

Als ein Netzwerk von Marken, sozusagen, unter dem Dach von Mayer-Kuvert. Bartl hat früh begriffen, dass die Kunden die Hüllenhersteller wie eine Marke betrachten, die für Qualität und guten Service steht. So beginnt er einen Firmenverbund aufzubauen, der den Kleinen maximale Eigenständigkeit im Vertrieb gewährt, sie aber zugleich eng in die Strukturen eines Großunternehmens einbindet, das damit effizient und kostengünstig produzieren kann. Rückblickend wirkt es, als stünde dahinter ein ausgebuffter Masterplan. Bartl ist aber ehrlich genug, um einzuräumen, dass vieles Versuch und Irrtum war. Und Glück.

Etwa weil die schwedischen Eigentümer kurz nach seinem Antritt "ohne Gesichts­verlust aussteigen wollten" und deshalb die 1 Millionen DM in die Firmenkasse zahlten, die Bartl dazu verwendete, mit dem Briefhüllengroßhändler Steinmetz den ersten Partner für eine 50:50-Beteiligung zu gewinnen.

Hausieren bei Staat und Konkurrenz

Bartl geht neue Wege. In den 80er-Jahren werden Betriebe in Berlin vom Bund gefördert, es ist auch leichter, Kredite zu bekommen. Also gründet er 1986 dort BSB Kuvert und installiert drei moderne Rollenmaschinen. Danach klopft er beim Kuverthersteller Lemppenau in Stuttgart an. Die Traditionsfirma steckt, wie Mayer zuvor, in Schwierigkeiten, so kommt man ins Geschäft.

Bartl räumt auf. Er schließt die Produktion und verfrachtet die Maschinen nach Heilbronn, um den Kundenstamm fortan mit Briefhüllen von Mayer-Kuvert zu beliefern. Den traditionsreichen Namen Eugen Lemppenau erhält er jedoch als Vertriebsmarke. Nach dem gleichen Muster folgen der Kuvertproduzent Uhlmann in Kiel, die Kuvertfabrik Pasing in München sowie weitere kleine Hersteller.

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Quelle: ftd.de
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