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16.08.2010

Auftragsboom: Industrie baut trotz Aufschwung Stellen ab

Wirtschaftsleistung: "Allmähliche Stabilisierung auf niedrigem Niveau ab"
Wirtschaftsleistung: "Allmähliche Stabilisierung auf niedrigem Niveau ab"
© dpa
Die deutsche Wirtschaft wächst wie lange nicht – Unternehmen stellen aber trotzdem keine neuen Leute ein, im Gegenteil: Das verarbeitende Gewerbe hat im Juni weiter Arbeitsplätze gestrichen.

Die Industrie in Deutschland baut trotz steigender Aufträge und Produktion Stellen ab. Im Juni waren 2,7 Prozent bzw. 134.800 weniger Menschen in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes beschäftigt als vor einem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Besonders viele Stellen fielen bei Maschinenbauern, Elektrobetrieben und Metallfirmen weg. Lediglich die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln beschäftigten mehr Menschen als im Juni 2009. Insgesamt hatte die Industrie in Deutschland gut 4,9 Millionen Mitarbeiter.

Allerdings zeichnet sich eine Entspannung an: Verglichen mit Mai stieg die Zahl der Industriebeschäftigten leicht um 10.400. Das entspricht einem Plus von 0,2 Prozent, sagte ein Statistiker. Schon im Mai habe es einen kleinen Zuwachs gegeben. In der Statistik werde jedoch nicht erfasst, wie viele Leiharbeiter in den Betrieben beschäftigt seien, sagte der Statistiker.

Die Zahl der Arbeitsstunden legte um 6,4 Prozent auf 647 Millionen zu. Dabei spielte einerseits eine Rolle, dass der Juni 2010 einen Arbeitstag mehr hatte als der Vorjahresmonat. Andererseits machte sich das Auslaufen der Kurzarbeit bemerkbar. Die Erlöse stiegen um 4,3 Prozent auf 18,8 Mrd. Euro.

Boomende Exporte und steigende Investitionen ließen das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal steigen, teilten die Statistiker mit. "Der zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Stocken geratene Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich damit eindrucksvoll zurückgemeldet", lautet ihr Fazit.

Deutschland ist damit der Wachstumskrösus in der Euro-Zone. In Frankreich legte das BIP im zweiten Quartal nur um 0,6 Prozent zu. Das kriselnde Spanien verzeichnete ein Plus von 0,2 Prozent, während sich die griechische Volkswirtschaft bedingt durch das Sparprogramm der Regierung auf Talfahrt befindet. Minus 1,5 Prozent meldeten das dortige Statistikamt.

Die Exportnation Deutschland profitierte dagegen überdurchschnittlich von der Erholung der Weltwirtschaft. Neben dem Außenhandel zogen aber auch die Investitionen der Unternehmen deutlich an. Zudem hätten die privaten und staatlichen Konsumausgaben beigetragen, schrieben die Statistiker.

Der Aufschwung fiel damit kräftiger aus als selbst von Optimisten prognostiziert. Vor allem der Außenhandel feierte nach dem Krisenjahr 2009 ein Comeback, das in erster Linie durch die Nachfrage aus Asien und dort insbesondere China getragen wurde. "Die deutsche Konjunktur boomt dank globaler Nachfrage", sagte Dekabank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Das Wachstum sei aber breit angelegt. Der Konsum sei wieder im positiven Bereich und die Unternehmen investierten wieder in Ausrüstungen.

© 2010 ftd.de

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