Vor allem schnell musste es gehen. Als vor zweieinhalb Jahren klar wurde, dass Alexander Strube ins elterliche Saatzuchtunternehmen einsteigen würde, arbeitete der Designer in einer New Yorker Werbeagentur. Mit Betriebskennzahlen, Unternehmensführung oder Finanzierung hatte er bis dato wenig am Hut. "Natürlich ist der Einstieg in den Familienbetrieb schwer, gerade, wenn man sein Handwerk nicht von der Pike auf gelernt hat", sagt Strube.
Deshalb informierte er sich über die verschiedenen MBA-Anbieter und entschied sich für das 16-monatige Vollzeitprogramm an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar. "Aufgrund der Praxisorientierung mit der dort betriebswirtschaftliches Basiswissen in kurzer Zeit vermittelt wird, war das Angebot wie maßgeschneidert für mich", sagt Strube: "Ich wollte die richtigen Methoden zur Führung eines kleinen Unternehmens an die Hand bekommen." Die Rechnung ist aufgegangen. Seit gut einem Jahr lenkt der 31-Jährige in der Geschäftsführung erfolgreich die Geschicke der Ackermann Saatzucht.
Für Julian von Möller, Geschäftsführer der Deutschen Junioren Akademie, die sich auf Konzepte für erfolgreiche Generationswechsel bei Familienunternehmen spezialisiert hat, ist Strube ein Beispiel dafür, wie man es richtig macht. "Prinzipiell ist eine Weiterbildung für Nachfolger aus Familienunternehmen eine gute Entscheidung", sagt von Möller. Wichtig sei dabei jedoch die Wahl der richtigen Hochschule. Dafür müsse der Nachfolger seine künftige Rolle und seine Aufgaben im Unternehmen definieren. Von Möller kritisiert: "Der Titel wurde in den letzten Jahren etwas inflationär vergeben." Daher sollten Nachfolger bei der Auswahl das Renommee der Hochschule und die Erfahrungen der Absolventen berücksichtigen.
Neben bekannten Schulen im Ausland wie etwa der weltweit aktiven Insead, Harvard oder der spanischen Iese gehören zu den renommierten Schulen auch deutsche Einrichtungen wie die WHU in Vallendar, die private Universität in Witten-Herdecke, die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel, die Zeppelin University Friedrichshafen oder die Universität Augsburg, die einen berufsbegleitenden MBA in Unternehmensführung anbietet. Daneben gibt es auch Programme mit speziellem Fokus auf Familienunternehmen - etwa am Deggendorf Institute of Management and Technology und seit diesem Jahr auch in Witten-Herdecke oder Friedrichshafen.
Etliche MBA-Programme eignen sich für Aspiranten auf die Unternehmensnachfolge, die ihrer vorhandenen Ausbildung eine betriebswirtschaftliche und managementorientierte hinzufügen wollen. "Bei der Nachfolge im Familienunternehmen kommen den MBA-Absolventen ihre breit angelegten Kenntnisse zugute", sagt Ansgar Richter, vom Department of Strategy, Organization and Leadership an der EBS. Denn: "Führungskräfte in Familienunternehmen können sich bei ihren täglichen Aufgaben nicht auf eine Fachdisziplin zurückziehen, sondern müssen ihr Unternehmen als Ganzes im Auge haben."
Auch Theresa Maxeiner, Programmleiterin MBA Change Management an der Universität Augsburg, hält bei der Übernahme eines Familienbetriebs betriebswirtschaftliches Know-how auf hohem Niveau für unumgänglich: "Besonders in Technologieunternehmen, in denen Entscheidungspositionen häufig von Ingenieuren oder Absolventen technischer Ausbildungen besetzt sind, können solche Kompetenzen am besten durch ein MBA-Studium erworben werden." Ein MBA sei außerdem für Führungskräfte in international agierenden Unternehmen wichtig, da die Programme darauf vorbereiteten, sich auf internationalem Parkett sicher zu bewegen.

Weitere Vorteile sieht Maxeiner darin, dass der Titel weltweit anerkannt sei und Erkenntnisse aus der Forschung sogleich im eigenen Unternehmen ausprobiert werden könnten.
Damit die Rechnung für den Unternehmernachwuchs aufgeht, ist für Jürgen Weigand, Akademischer Direktor MBA/EMBA an der WHU, die internationale Komponente der Ausbildung ebenso ein Muss wie betriebswirtschaftliches Know-how in den Bereichen Steuern, Controlling und Finanzplanung, Marketing oder Mitarbeiterführung. "Unsere Absolventen haben nicht nur gelernt, Unternehmenskennzahlen zu bewerten und kritisch zu reflektieren, sondern auch viel über sich selbst erfahren und damit ihre Führungskompetenz erweitert", sagt Weigand.
Geschäftsführer Alexander Strube hat von seiner Ausbildung jedenfalls sehr profitiert: "Ich habe gelernt, wie ich betriebliche Neuerungen schnell und nachhaltig auf den Weg bringen kann." Erstmals in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte verfügt der Betrieb nun über ein funktionierendes Buchhaltungssystem.
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