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02.07.2010

Baumaterial für Elektroauto: BMW wagt Karbon-Revolution

Von: Margret Hucko
Freude am Sparen: Konzernchef Norbert Reithofer will BMW ein grüneres Image verpassen
Freude am Sparen: Konzernchef Norbert Reithofer will BMW ein grüneres Image verpassen
© Getty Images
Der Münchner Autobauer traut sich einen innovativen Doppelschlag: Ihr erstes Elektroauto wollen die Bayern aus Karbon fertigen. Das Leichtbaumaterial gilt als großer Hoffnungsträger der Industrie, ist bislang aber noch nicht in der Automassenfertigung erprobt.

BMW treibt nun die Pläne für sein erstes Serienfahrzeug mit Kohlefaser-Karosserie - das Megacity Vehicle - voran. Ein entscheidendes Hindernis muss das Management indes noch bewältigen: Ein Kilo Karbon kostet derzeit etwa 15 Euro und damit 15-mal mehr als Stahl. BMW kalkuliert nach Financial Times Deutschland (FTD)-Informationen damit, den Karbonpreis auf 7 Euro je Kilo senken zu können.

Gewichtsreduktion gilt als Schlüssel für umweltfreundliche Pkw und als unabdingbare Voraussetzung, um die strengen Abgaslimits der Politik in Zukunft zu erfüllen. Denn: Je weniger ein Fahrzeug wiegt, desto geringer fällt der Verbrauch aus - egal ob das Auto mit Sprit oder Strom fährt.

Die Entwürfe für das Megacity Vehicle (MCV), das 2013 auf den Markt kommen soll, hat BMW nun erstmals präsentiert. Das Auto, rangiert von der Größe zwischen Mini und Einser-BMW, bietet vier Sitzplätze und wird von einem Elektromotor im Heck angetrieben. Um Platz zu sparen, liegt die mehrere Hundert Kilo wiegende Batterie im Unterboden des Fahrzeugs. Das Mehrgewicht von circa 300 Kilo, das durch die aufwendige Technik entsteht, soll durch die Karbon-Karosserie komplett neutralisiert werden.

Von dem in der Formel 1 oder Luftfahrt erprobten Leichtbaumaterial erwartet der Autobauer mehr als nur eine Gewichtsersparnis. Der Premiumhersteller rechnet mit massiven Kostenersparnissen in der Produktion und für den Autofahrer verbesserte Überlebenschancen im Falle eines Crashs.

Alle großen Automobilbauer arbeiten derzeit verschärft am Thema Leichtbau - gehen dabei aber unterschiedliche Wege. Während Massenhersteller aus Kostengründen hochfeste Stähle verbauen, setzt Audi vor allem auf Aluminium. Daimler arbeitet mit dem japanischen Unternehmen Toray Industries, dem weltweit größten Hersteller von Carbonfasern, zusammen. BMW hat 2009 mit SGL Carbon ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. An beiden Unternehmen ist die Quandt-Erbin Susanne Klatten beteiligt.

Beim Megacity Vehicle wagt BMW ein für die Marke völlig untypisches Design: Die ersten Entwürfe zeigen einen Stadtwagen, der einem kleinen Familienvan ähnelt. Zudem denken die Ingenieure im Projekt über Motorräder und Fahrräder nach, die BMW künftig elektrifizieren könnte.

Auch sonst stellt BMW über Jahrzehnte etablierte Standards in der Autobranche infrage. So hatte BMW-Chef Norbert Reithofer unlängst angekündigt, den Produktionsprozess komplett umzustellen und ein neues Vertriebssystem für das MCV aufzubauen - nannte bislang aber keine weiteren Einzelheiten.

Die Kehrseite: Mit der völligen Neugestaltung des Elektroautos über das reine Produkt hinaus geht BMW ein erhöhtes Risiko ein. Branchenkenner werten die Einführung einer Submarke für das MCV als geschickten Schachzug. Floppt das Experiment, muss der Hersteller zwar einen Großteil der millionenschweren Investitionskosten abschreiben, die Kernmarke nimmt dagegen kaum Schaden.

Allein in der ersten Investitionsphase steckte BMW 90 Millionen Euro in das Gemeinschafts-Unternehmen mit SGL Carbon, das an zwei Standorten arbeitet: Nordamerika und Deutschland. Entscheidend für die Standortwahl in USA war laut BMW die Möglichkeit, den hohen Energiebedarf bei der Herstellung der Karbonfaser vollständig durch Wasserkraft decken zu können. Die Weiterverarbeitung der Karbonfaser zu einem Kohlefasergeflecht erfolgt dann am zweiten Standort in Deutschland bei BMW.

Quelle: ftd.de
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