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04.11.2010

Bestechungsaffäre: Die Apo- wird zur Schmuddelbank

Von: Heinz-Roger Dohms
Zentrale der Apo-Bank in Düsseldorf
Zentrale der Apo-Bank in Düsseldorf
Mit Spekulationsverlusten hatte die einstmals stocksolide Apobank auf sich aufmerksam gemacht. Nun stellt sie ihre Kunden erneut auf die Probe. Mitarbeiter sollen in die Bestechungsaffäre mit dem Immobiliensanierer Licon verwickelt sein. Die Missstände könnten systemische Ausmaße haben.

Die Bestechungsaffäre rund um den Leipziger Immobiliensanierer Licon wächst sich für die Düsseldorfer Apotheker- und Ärztebank (Apobank) zum Image-GAU aus. Vorstandschef Herbert Pfennig räumte gestern ein, dass insgesamt eine zweistellige Zahl an Bankmitarbeitern in den Fall verwickelt sein könnte. Die BaFin startete eine Sonderprüfung, bestätigte ein Behördensprecher.

Untersucht wird, ob die Missstände bei der Bank systemische Ausmaße haben. Bereits am Montagabend hatte der Aufsichtsrat des Instituts die beiden Vorstände Stefan Mühr und Claus Verfürth mit sofortiger Wirkung abberufen. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen Mühr und zwei weitere Apobanker wegen Bestechlichkeit. Sie sollen von Licon Geld dafür kassiert haben, dass sie ihren Kunden Licon-Immobilien andrehen.

Mit der neuerlichen Affäre verkommt die Hausbank der deutschen Ärzte- und Apothekerschaft in der öffentlichen Wahrnehmung allmählich zum Schmuddelinstitut. Bereits während der Finanzkrise hatte die einstmals stocksolide Apobank durch Spekulationsverluste auf sich aufmerksam gemacht. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) musste seinem Mitgliedsinstitut mehrmals mit dreistelligen Millionensummen aushelfen.

Die Frage ist, wie lange sich Ärzte und Apotheker die Eskapaden "ihrer" Bank noch gefallen lassen. Andere Geldhäuser umgarnen diese lukrative Klientel intensiv. Trotzdem gehen die meisten Mediziner noch immer zur Apobank, wenn sie einen Kredit für den Aufbau einer Praxis brauchen.

Die Licon-Affäre stellt die Beziehung zwischen dem 1902 gegründeten Geldinstitut und seinen Kunden auf eine harte Probe. Licon hat sich darauf spezialisiert, denkmalgeschützte Immobilien luxuszusanieren und sie dann an wohlhabende Privatanleger zu verkaufen. Der größte Vertriebspartner für diese Objekte ist die Apobank. Sie wirbt bei ihren Kunden vor allem mit den Steuervorteilen: Sanierungskosten für Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, lassen sich beim Fiskus absetzen.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Dresden haben zwei der drei Licon-Gesellschafter in den vergangenen Jahren ein System aus Scheingesellschaften aufgebaut, um Geld aus dem Unternehmen abzuziehen und auf private Konten umzuleiten. Insgesamt soll es um rund 5 Mio. Euro gehen.

Die Untersuchungen hatten vergangene Woche zu einer bundesweiten Razzia geführt, in deren Verlauf die Ermittler auch bei der Apobank vorstellig wurden. Die beiden Licon-Gesellschafter und ein dritter Mitarbeiter sitzen seitdem in U-Haft. Die Staatsanwälte werfen dem Trio Untreue und Steuerhinterziehung vor.

Hauptgeschädigter soll der dritte Gesellschafter sein, der Immobilieninvestor Jürgen Henning. Er lebte zuletzt in den USA und war in das operative Geschäft bislang nicht eingebunden. Das Landgericht Leipzig hat ihn nun erst einmal als Geschäftsführer eingesetzt - zusammen mit dem früheren HSH-Nordbank- und WestLB-Vorstandschef Alexander Stuhlmann.

Inwieweit Investoren direkt betroffen sein könnten, ist unklar. "Bisher hat kein Kunde einen Schaden erlitten", sagte Apobank-Vorstandschef Pfennig gestern. Knapp 600 Kunden - die meisten davon Ärzte und Zahnärzte - hätten in den vergangenen drei Jahren rund 270 Mio. Euro in Licon-Projekte gesteckt, sagte Pfennig. Die Bank habe dafür sechs Prozent Provision erhalten. Derzeit liege das Neugeschäft auf Eis.

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