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26.08.2010

Bier, Bau und Bett: Schörghuber stoppt Hotelexpansion

Von: Hegmann Gerhard
Blick in das Hotel Königshof in Dresden
Zoom Blick in das Hotel Königshof in Dresden
© Schörghuber
Die Schörghuber-Gruppe beendet ihre Wachstumsstrategie im Hotelgeschäft. Statt binnen drei Jahren bis zu 20 weitere Hotels anzumieten, wird sich der Münchner Familienkonzern langfristig nur noch auf die im Eigenbesitz befindlichen knapp 20 Hotels beschränken.

Ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Hotelkonzern Starwood für das Management der Hotels wird voraussichtlich aufgelöst. Die Starwood-Hotelmarken wie The Westin könnten auch direkt genutzt werden.

Der seit Anfang 2009 amtierende Schörghuber-Chef Klaus Naeve begründete den Strategieschwenk mit Risiken aus ab 2013 gültigen neuen Bilanzrichtlinien (IFRS Paragraf 17). Danach müssten Verpflichtungen aus den oft 20-jährigen Mietverträgen mit jährlichen Zahlungen von 3 bis 6 Mio. Euro pro Hotel in der Bilanz erfasst werden, was die Eigenkapitalkennziffern verschlechtere. "Es war immer ein Risiko, aber es wurde nicht so bewertet", sagte Naeve.

Zur Hotelneuausrichtung dürften auch die roten Zahlen aus der Sparte beigetragen haben. In den Jahren 2008 und 2009 wurden hohe Verluste geschrieben. Die Bettenauslastung lag nur bei 59 Prozent. Der von Hilton zu Schörghuber gewechselte Hotelvorstand Wolfgang Neumann scheidet aus. Der Posten wird nicht neu besetzt.

Mit dem Abschied von weiteren Hotelanmietungen begründet erstmals in Deutschland ein Unternehmen einen Expansionsstopp mit den geplanten Bilanzierungsänderungen. Schörghuber-Chef Naeve geht davon aus, dass weitere Firmen ihre Anmietungspraxis ändern werden.

Klaus N. Naeve, Vorsitzender des Vorstandes der Schörghuber Unternehmensgruppe
Zoom Klaus N. Naeve, Vorsitzender des Vorstandes der Schörghuber Unternehmensgruppe
© Schörghuber

Der Stopp der Hotelexpansion ist nicht die einzige Neuerung in der Schörghuber-Gruppe mit den Schwerpunkten Getränke/Bier, Bauen/Immobilien, Hotel und Flugzeugleasing. Forcierte das Unternehmen unter der Regie des im November 2008 im Alter von 47 Jahren verstorbenen Stefan Schörghuber noch eine Wachstumsstrategie auch durch Zukäufe und bundesweite Ambitionen im Biergeschäft, so verfolgt das neue familienfremde Management eine andere Philosophie. Im Mittelpunkt stehe ein hoher Liquiditätszufluss aus dem Stammgeschäft, sagte der seit Anfang 2009 amtierende Vorstandschef Naeve. Größere Übernahmepläne gebe es nicht. "Ich bin nicht angetreten, um spektakuläre Dinge zu machen, sondern um den Ertrag zu stärken", sagte der 50-jährige Jurist und Steuerexperte. So wird vor allem das Immobilien und Bauträgergeschäft mit dem Schwerpunkt in München gestärkt.

Der Strategiewechsel fällt in eine Phase sinkender Umsätze und Verluste im Konzern. 2009 schrumpfte der Konzernumsatz von 1,28 auf 1,18 Mrd. Euro. Dabei sei der Verlust kleiner als 2008 mit damals 88 Mio. Euro ausgefallen, sagte Naeve, nannte aber keine Details. Verlustbringer war die Hotelsparte. Es gab Abschreibungen auf das Immobilienvermögen im Wert von 2,1 Mrd. Euro. Und der Getränkebereich schloss durch Sondereffekte wie dem Ausstieg bei Karlsberg an der Nulllinie. In diesem Jahr wird wieder ein Umsatzplus und ein Gewinn erwartet.

Naeve kündigte auch an, das bereits geschrumpfte Flugzeugleasinggeschäft in den nächsten drei bis fünf Jahren auslaufen zu lassen. Derzeit sind noch 18 Maschinen im Bestand.

Auch in der größten Sparte Getränke fährt das Management eine vorsichtige Strategie. Es werde keine weiteren Zukäufe außerhalb der Stammregion Bayern, Baden-Württemberg mit den Nachbarregionen Hessen und Sachsen/Thüringen geben. Vor zehn Jahren plante Schörghuber noch die Übernahme des Dortmunder Konzerns Brau und Brunnen. Naeve betonte aber, dass die Biermarke Paulaner bundesweit und im Export ausgebaut werde. "Lieber investiere ich in das Marketing, als noch eine Brauerei zu kaufen", sagt Naeve.

Im Biergeschäft ist Schörghuber über das Gemeinschaftsunternehmen BHI mit dem niederländischen Brauer Heineken die Nummer drei in Deutschland. Naeve sieht auch Heineken nicht auf Einkaufstour in Deutschland. "Unser Joint Venture mit Heineken läuft fantastisch. Das sind Brauer", lobte Naeve.

© 2010 ftd.de

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