Die Gläubiger des insolventen Wäscheherstellers Schiesser machen den Weg frei für einen Gang an die Börse. Insolvenzverwalter Volker Grub teilte am Donnerstagabend mit, die Gläubigerversammlung habe sich mehrheitlich dafür ausgesprochen. "Der Börsengang der Schiesser AG nächstes Jahr ist eine große Chance für alle - Investoren, Mitarbeiter, Konsumenten - und nicht zuletzt für die Marke Schiesser", sagte Grub. Der Insolvenzplan muss nun vom Amtsgericht Konstanz bestätigt werden. Die Entscheidung, die am 13. Dezember bekannt gegeben werden wird, gilt als so gut wie sicher.
Ein Börsengang aus der Insolvenz heraus ist höchst ungewöhnlich, auch wenn dem US-Automobilkonzern General Motors zuletzt ebendies erfolgreich geglückt ist. Im Fall von Schiesser hätten die Banken ihm zu diesem Schritt geraten, nachdem er fast ein Jahr einen neuen Investor gesucht hätte, sagte Grub der Financial Times Deutschland . "Die Banken sehen kein Problem darin, die Anteile sicher zu platzieren." Laut Insolvenzverwalter verdient Schiesser im operativen Geschäft seit Längerem wieder Geld. Das Unternehmen hatte im Februar Insolvenz angemeldet, nachdem es sich mit teuren Lizenzgeschäften verspekuliert hatte und der Mehrheitsaktionär, die schweizerische Hesta Holding, die Anschlussfinanzierung verweigert hatte.
Schon im Vorfeld hatte Grub mitteilen lassen, der Insolvenzplan sehe vor, dass die Forderungen der knapp 500 Gläubiger von 67 Mio. Euro aus dem Erlös des Börsengangs erfüllt werden sollen, mindestens aber zu 70 Prozent. Diese Aussicht überzeugte die Gläubiger offenbar: Von den 248 Anwesenden stimmte nur ein Gläubiger gegen den Insolvenzplan. Dieser sieht weiterhin vor, dass die Gläubiger ihre Forderungen zunächst bis maximal Ende 2012 stunden. Die Gläubiger", so Grub weiter, "stehen voll hinter dem Unternehmen und unserer Strategie. Der geplante Börsengang wurde durchweg als innovativ bezeichnet und positiv bewertet. Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Signalen, die wir in den letzten Wochen aus dem Markt von unseren Kunden bekommen haben."
Ein Grund für den Börsengang scheint auch die Sorge, dass der 1875 gegründete Traditionsbetrieb aus Radolfzell am Bodensee von einem großen Konkurrenten übernommen werden könnte. "Der Börsengang ist die sicherste Lösung für den Standort", sagte Grub. Ein Ankeraktionär ist nicht vorgesehen, die Aktien sollen laut Grub breit gestreut werden.
Unklar bleibt die zukünftige Rolle von Wolfgang Joop. Ende November hatte der Modedesigner im "Spiegel" verkündet, er fühle sich "wie ein Rennpferd, das noch im Stall warten muss, aber endlich loslaufen will". Joop will offenbar auch als Großaktionär mit bis zu 15 Prozent bei Schiesser einsteigen. Grub hingegen sieht ihn eher als Ideengeber. "Wolfgang Joop soll in erster Linie Berater werden. Er wird auch eine Beteiligung halten, aber sicher nicht mehr als 15 Prozent." Der Insolvenzverwalter hofft, "dass die letzten Unstimmigkeiten bis Januar ausgeräumt sein werden", wollte aber nichts zu den Inhalten der Meinungsverschiedenheiten sagen.
Der Börsengang soll frühestens Ende des zweiten Quartals stattfinden, so Grub, und soll "deutlich mehr" als die Schulden von 67 Mio. Euro einspielen. Der Überschuss, genau wollte Grub sich hierzu nicht äußern, werde helfen, die Wachstumsstrategie Schiessers zu finanzieren.
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