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18.01.2011

Buchvorstellung: Pierers erste Banane

Von: Nikolai Fichtner
Der ehemaliger Siemens-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer stellt seine Autobiografie vor
Der ehemaliger Siemens-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer stellt seine Autobiografie vor
© Clemens Bilan/DAPD
Der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat seine Memoiren geschrieben. Das Wort Korruption meidet er bei der Vorstellung seiner Autobiographie. Er gibt lieber Anekdoten zum Besten.

Als Siemens-Chef war Heinrich von Pierer große Pressekonferenzen gewöhnt. Oft stand er Seite an Seite mit den Großen der Politik und genoss die Aufmerksamkeit. An diesem Montag gilt die Aufmerksamkeit der Hauptstadtpresse ihm allein - doch genießen kann er sie nicht mehr.

Es ist Pierers erster öffentlicher Auftritt nach Jahren der Zurückhaltung. Der Saal ist voll besetzt. Pierer trägt eine rote Krawatte zu schwarzem Anzug, er sieht fast genauso aus wie auf dem Buchcover, das er jetzt in die Kameras halten muss. Es ist eine Aufgabe, die Pierer möglichst schnell hinter sich bringen will. Dann schaut er in die Runde: vier Kameras, viele Dutzend Journalisten. Pierer wirkt misstrauisch.

Zwei Interessen prallen im Saal aufeinander: Die Journalisten wollen kritische Fragen zur Korruptionsaffäre stellen. Pierer will aus seinem Leben erzählen. Es ist ja auch "ein Stück Industriegeschichte", wie er sagt. Darum darf Pierer zunächst eine knappe Stunde mit einer Moderatorin auf dem Podium dozieren.

Die alten Anekdoten sind sicheres Terrain, Pierer wirkt jetzt entspannter. Er erzählt von seiner ersten Banane als Kind, die ihm nicht schmeckte ("Ich hatte vergessen, die zu schälen"), oder davon, wie Angela Merkel ihn 2004 als Wirtschaftsminister in ihr Schattenkabinett holen wollte ("Ich hatte schon fast zugesagt"). Es ist Pierer wichtig zu vermitteln, wie sehr er auch als Vorstandschef ein Ohr für die kleinen Probleme bei Siemens hatte. Darum habe er morgens Mitarbeiter angerufen, sei mittags allein in die Kantine gegangen und am Wochenende in Erlangen auf den Marktplatz. "Man muss ja aufpassen, dass man auch die unangenehmen Themen noch mitkriegt."

Als er mit den Anekdoten durch ist, dürfen die Journalisten fragen. Sie wollen vor allem eins wissen: Wie kann man sein Ohr so nah am Unternehmen haben, ohne von den schwarzen Kassen zu hören? Pierer antwortet, indem er einzelne Journalisten kritisiert, ihr "kampagnenartiges Auftreten", ihr "unterirdisches" Vorgehen. Man spürt: Er fühlt sich verfolgt.

Wenn Pierer es nicht vermeiden kann, von der Korruptionsaffäre zu sprechen, dann nennt er sie "die Sache", "die Affäre" oder "den Vorgang". Dass "die Sache" in seinem Buch nur relativ kurz vorkommt, begründet er mit Ahnungslosigkeit: "Ich hätte zu dem Thema keinen neuen Beitrag leisten können." Er wisse auch nur, was in den Zeitungen steht. Außerdem liefen ja noch Verfahren, da müsse man behutsam sein. Etwas Gutes kann Pierer den lästigen Fragen am Ende doch noch abgewinnen: Die Sache bringt Aufmerksamkeit. "Der Verlag freut sich", sagt Pierer. Er klingt jetzt etwas sarkastisch.

Quelle: ftd.de
© 2011 impulse.de

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