
Viele Unternehmer verfahren in Krisenzeiten gerne nach dem Motto "Den Lieferanten, der mich am meisten bedrängt, zahle ich zuerst". Und stopfen damit ein Loch, reißen aber gleichzeitig eines oder mehrere andere auf. Denn die Verpflichtungen gegenüber dem Rest der Lieferanten werden nur geschoben. Ein Großteil deutscher Firmenchefs verbringt bei Liquiditätsengpässen einen guten Teil der Zeit damit, Lieferanten zu vertrösten – keine sehr angenehme Beschäftigung. Außerdem gibt es in Krisenzeiten Wichtigeres zu tun.
Organisieren Sie deshalb - besonders in Zeiten leerer Kassen - Ihr Lieferantenmanagement. Am einfachsten gelingt dies mit einer "Lieferanten-Inventur". Unternehmensberater Carl-Dietrich Sander hat für impulse.de eine Methode entwickelt, auf deren Basis Sie festlegen können, welcher Lieferant zuerst sein Geld erhalten sollte:
Legen Sie zuerst eine Tabelle an. Am besten mit Excel oder einem anderen Tabellenkalkulationsprogramm, damit Sie Ihre Übersicht anschließend nach verschiedenen Kriterien sortieren können. Folgende Felder bieten sich an:
Allgemeine Informationen:
Name
Einkaufsvolumen im Vorjahr
Einkaufsvolumen bisher im laufenden Jahr
Aktueller Saldo der Verbindlichkeiten
Zahlungsbedingungen des Lieferanten (Skontosatz, Skontofrist, Nettofrist)
Zahlungsstatus aktuell:
1 = Skonto
2 = Innerhalb der Nettofrist
3 = Außerhalb der Nettofrist
4 = Mahnungen vorliegend – welche (1., 2., 3.)
5 = Gerichtliche Schritte vorliegend
6 = Lieferung nur noch gegen Vorkasse
Bedeutung des Lieferanten für Ihr Unternehmen, z.B. nach folgender Einteilung:
2 = unverzichtbarer Lieferant, kaum zu ersetzen
1 = mittelwichtiger Lieferant, könnte mit etwas Aufwand ersetzt werden
0 = unwichtiger Lieferant, kann jederzeit ersetzt werden
Bedeutung meines Unternehmens für den Lieferanten:
2 = bin einer der Hauptabnehmer
1 = bin mittelgroßer Kunde
0 = bin für meinen Lieferant nur eine "kleine Nummer"
Lassen Sie die Felder weg, die für Ihr Unternehmen unwichtig erscheinen, und fügen Sie andere hinzu - in diesem Bereich gibt es keine Standardlösung.
Auf Basis einer solchen Tabelle können Sie im ersten Schritt festlegen, in welcher Reihenfolge die Rechnungen bezahlt werden sollten. Mittels Ihrer Liquiditätsplanung können Sie im Anschluss überprüfen, wie viele Mittel Ihnen in dieser Woche für Lieferantenrechnungen zur Verfügung stehen – und können entsprechend entscheiden.
Eine Beispieltabelle können Sie sich hier herunterladen.
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