27.04.2010

Deutscher Tiefwasserhafen: Kein Schiff wird kommen nach Wilhelmshaven

Von: Ulf Brychcy und Kathrin Werner
Nach und nach entsteht in Wilhelmshaven die Kaimauer des Jade Weser Port
Zoom Nach und nach entsteht in Wilhelmshaven die Kaimauer des Jade Weser Port
© ddp
Der Jade Weser Port droht eine Investitionsruine zu werden. Der neue Containerhafen am Rand von Wilhelmshaven gilt unter Reedern als lästige Überkapazität. Die Betreiber wollen den Start um Jahre verzögern.

Mächtige Rammen treiben riesige Stahlpfähle in den sandigen Grund. "Das sind die letzten 100 Meter", sagt Axel Kluth. Nur noch wenige Wochen, dann steht die kilometerlange Kaianlage. Pünktlich am 5. November 2011, versichert der Geschäftsführer des Jade Weser Port, kann das erste Containerschiff hier im neuen Hafen anlegen. Gleich neben den schweren Baumaschinen spülen Saugbagger noch tonnenweise Nordseesand auf. In den nächsten Tagen wird das weitläufige Areal komplett aufgeschüttet sein.

Das Fundament der 1 Milliarden Euro teuren Hafenanlage, die der Nordsee mühsam abgerungen wurde, ist also gelegt. Gleichwohl steht das Projekt Jade Weser Port (JWP) auf wackeligen Beinen. Der künftige Mitbetreiber des Wilhelmshavener Containerhafens, der weltgrößte Reedereikonzern Maersk, will den Betriebsbeginn um zwei bis drei Jahre hinauszögern. Für JWP-Chef Kluth ist das ein Horrorszenario. Spätestens an diesem Freitag wird sich zeigen, wer sich durchsetzt. "Dann wissen wir, ob es eine Lösung gibt", sagt Kluth.

Der Jade Weser Port kommt zur Unzeit. Konzipiert wurde das rund 360 Hektar große Projekt, als die globale Containerschifffahrt von einem Rekordjahr zum nächsten eilte. Die Umschlagsmengen stiegen beständig und JWP sollte die an ihre Kapazitätsgrenzen stoßenden Häfen in Hamburg und Bremerhaven entlasten - und verhindern, dass die außerdeutsche Konkurrenz in Rotterdam und Antwerpen zum Zug kommt.

Kaum Zustimmung von Reedern

Doch dann ließ die Weltwirtschaftskrise den Warenumschlag einbrechen. Das Überlaufventil JWP mit einer geplanten Startkapazität von 900.000 TEU (Standardcontainer) verwandelte sich plötzlich in eine "lästige Überkapazität", wie aus Reederkreisen zu hören ist. Da hilft es auch wenig, dass der JWP der einzige deutsche Tiefwasserhafen sein wird. Nur hier können künftig die neuen, besonders großen Ozeanriesen anlegen und ihre Tausenden Container ab- und aufladen.

Viele Reeder winken ab. "Wir planen nicht, diesen Hafen in den nächsten Jahren anzufahren", sagt Ottmar Gast, Chef von Deutschlands zweitgrößter Linienreederei Hamburg Süd. "Für uns ist Wilhelmshaven kein Thema", stellt ein anderer Reeder fest. Neben Hamburg und Bremerhaven wolle er nicht noch einen weiteren Hafen anfahren.

Seite   1 | 2 | 

© 2010 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews