17.05.2010

E-Postbrief: Virtuelle Post hat einen Namen

Von: Leo Klimm
Hat der E-Postbrief eine Chance?
Zoom Hat der E-Postbrief eine Chance?
© Getty Images
Die Post will ab Juli am elektronischen Schriftverkehr verdienen. Jetzt hat das Unternehmen den Namen des neuen Produktes vorgestellt. Doch dieser weckt Erinnerungen an einen Versuch von 2005, der wegen Erfolglosigkeit beendet wurde.

Jürgen Gerdes ist im Marketing groß geworden. Das kommt dem Briefvorstand der Post vor der Einführung des Onlinebriefs im Juli zugute: Wie im Lehrbuch verteilt er die Informationen zum wichtigsten strategischen Projekt des Konzerns über die erste Jahreshälfte. Das schafft ständige Aufmerksamkeit.

Jetzt präsentierte Gerdes mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Mercedes-Motorsport populäre Werbeträger. Und den Produktnamen, den Michael Schumacher bald spazieren fährt: "E-Postbrief".

Ob Gerdes auch hier ein glückliches Händchen hatte, bezweifeln einige Fachleute: Der Name, so Markenexperte Nicholas Adjouri, erinnere zu sehr an E-Post. Unter diesem Namen wollte sich der Konzern im Jahr 2000 als E-Mail-Anbieter etablieren. Der Dienst wurde 2005 wegen Erfolglosigkeit geschlossen. "E-Postbrief ist außerdem zu sperrig - eine namenstechnische Fehlgeburt", meint Adjouri.

Der Konzern hält dagegen. Der E-Postbrief sei als rechtsverbindliches und kostenpflichtiges Online-Dokument ein ganz anderes Produkt als eine Gratismail, so ein Sprecher. "Uns war wichtig, dass die Schlüsselwörter 'Post' und 'Brief' vorkommen." Und: Der Name sei in der Marktforschung getestet worden. Kunden akzeptieren demnach Adressen nach dem Schema "Max.Muster@e-postbrief.de".

Die Post steckt in einem Dilemma. Wegen sinkender Briefumsätze und dem Plan der Bundesregierung, den rechtssicheren Standard De-Mail einzuführen, sieht sie sich gezwungen, an der eigenen Kannibalisierung teilzunehmen. De-Mail entscheide über "die Zukunft des Unternehmens", so Gerdes.

Wie damals bei E-Post wird der Konzern erneut auf die Rivalen Telekom und United Internet (GMX, Web.de) stoßen. Auch sie wollen an De-Mail verdienen und besitzen einen großen Vorteil: Sie haben schon 40 Millionen Onlinekunden.

Da ist eine starke Marke umso wichtiger. Zwei Monate vor dem Start des E-Postbriefs ist aber gar nicht sicher, ob der neue Name unbeschadet eingeführt werden kann: Telekom und United Internet beharren auf eine Zusage der Regierung, dass De-Mail-Angebote in der Domain erkennbar sein müssen, nach dem Schema: "Max.Muster@e-postbrief.de-mail.de". Das Wort "Mail" jedoch will die Post unbedingt verhindern. Nichts soll an einen E-Mail-Dienst erinnern.

© 2010 ftd.de

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