5. Januar 2009: Ein Mann wird von einem Zug überrollt: Der Milliardär Adolf Mercke, der einst ein Geflecht von Firmen schuf, begeht Selbstmord. Er kann nicht hinnehmen, dass er mit Wetten auf die VW-Aktie seine Firmengruppe mit gut 100.000 Mitarbeitern in eine existenzielle Krise stürzte.
Nach Merckles Tod steht es schlimm um die Firmen. Sohn Ludwig wird Alleinerbe, die Familie ist hoch verschuldet. Beobachter erwarten, dass sie eine Reihe von wichtigen Beteiligungen verkaufen muss, um wenigstens einen Teil des Konglomerats zu retten.
Doch Ludwig erweist sich als geschickter Sanierer. Er kommt bei der Entschuldung weitaus schneller voran, als viele Beobachter erwartet hatten. Und er muss weniger Unternehmensteile verkaufen als geplant. Hier ein Überblick:
Ratiopharm: Jetzt wird's ernst mit dem Verkauf
Ratiopharm rechnet für das gerade abgelaufene Jahr mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und einem Gewinn von 300 Millionen Euro. Der Hersteller von Generika - also Nachahmerprodukten von ehemals patentgeschützten Medikamenten - ist die Keimzelle der Merckle-Gruppe - und soll auf jeden Fall abgestoßen werden. Das verlangen die Gläubigerbanken von der Merckle-Familie.
Nach Einschätzungen aus der Branche ist der Verkauf Ratiopharms auf der Zielgeraden. Bereits im ersten Quartal dieses Jahres könnte der neue Besitzer den Zuschlag bekommen. Im vergangenen Herbst hatten die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland, die zu Merckles größten Geldgebern zählen, den Verkaufsprozess angestoßen. Analysten schätzen den Wert des Generikaherstellers auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro.
Sollten tatsächlich 3 Milliarden Euro bei dem Ratiopharm-Verkauf zusammenkommen, wäre die Merckle-Dachgesellschaft ihre Schulden los. Auf unter 3 Milliarden Euro soll der Sanierungskurs Ludwig Merckles die Finanzverbindlichkeiten der Holding inzwischen gedrückt haben. Auf dem Höhepunkt der Krise hatten sich dort rund 5 Milliarden Euro Schulden angehäuft.
Ratiopharm ist nach dem zum Schweizer Novartis-Konzern gehörenden Konkurrenten Hexal zweitgrößter Generikaanbieter in Deutschland. Zeitweise soll es mehr als zehn Interessenten für das Unternehmen gegeben haben, darunter der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis, der israelische Generikabranchenführer Teva oder auch der US-Konzern Mylan. Auch Pfizer wurde immer wieder genannt.
Wie viele Finanzinvestoren noch im Rennen sind, ist ebenfalls unklar. Kohlberg Kravis & Roberts (KKR), TPG und Permira sollen ausgeschieden sein, ebenso wie die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs, die zusammen mit dem Finanzinvestor Advent ein Gebot abgegeben hatte. Der schwedischen Beteiligungsfirma EQT werden dagegen noch Chancen eingeräumt.
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