Der Mischkonzern ThyssenKrupp steht kurz vor einem Verkauf seiner verlustreichen griechischen Werftentochter HSY. Nach langem Gezerre mit der Regierung in Athen gaben beide Seiten am Donnerstag einen Durchbruch bekannt. Damit dürfte das Unternehmen ein Paket von 75,1 Prozent an Hellenic Shipyards (HSY) nun endlich an den arabischen Schiffbaukonzern Abu Dhabi Mar veräußern.
ThyssenKrupp teilte mit, dass mit Käufer und Regierung Einigkeit über die Vertragstexte erzielt worden sei. Auch das griechische Verteidigungsministerium sprach von einer Übereinkunft. "Wir haben einen gordischen Knoten zerschlagen", sagte Verteidigungsminister Evangelos Venizelos. Das entsprechende Gesetz werde bis Ende September dem Parlament zur Billigung vorgelegt. Die Verhandlungen seien "hart und schmerzhaft" gewesen. "Mit der Einigung wird eine neue Seite für die griechische Marine und die Werftindustrie aufgeschlagen", so der Minister.
Bereits im März hatte ThyssenKrupp mit der Regierung in Athen und Abu Dhabi Mar eine Einigung in Grundzügen erzielt. Doch Differenzen zwischen dem Essener Konzern und der Regierung erschwerten den Abschluss. In dem Streit ging es zunächst um den Bau von vier U-Booten im Wert von 2,85 Mrd. Euro. Die griechische Regierung hatte im Jahr 2000 im Voraus fast 80 Prozent des Betrags für den Bau der Boote des Typs 214 gezahlt. Später bemängelte sie die Qualität des Prototyps. Der U-Boot-Typ wurde in der ThyssenKrupp-Werft HDW in Kiel entwickelt, wo das erste Schiff "Papanikolis" wegen des Streits noch liegt.
Griechenland will nun das bereits 2006 fertiggestelltes U-Boot abnehmen. Drei weitere U-Boote, die sich in Griechenland im Bau befinden, sollen ebenfallsabgeliefert werden. Zudem sollen zwei U-Boote einer neueren Baureihe bei HSY in Auftrag gegeben werden. Durch die Einigung kann die Insolvenz der unterbeschäftigten Werft mit rund 1200 Arbeitern abgewendet werden.
In den vergangenen Monaten hatte sich der Konzern aus weiten Teilen seines Werftengeschäfts zurückgezogen, der hohe Verluste gemacht hatte. Abu Dhabi Mar hatte bei dieser Umstrukturierung bereits einen Großteil der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss sowie zivile Einrichtungen der Howaldtswerke-Deutsche Werft übernommen.
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