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03.08.2010

Einkaufsmanagerindex für China: Deutschem Export droht Abkühlung

Von: Martin Kaelble , Christiane Kühl

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© dpa
Deutschlands Exportbranche droht ein Dämpfer infolge einer nachlassenden Nachfrage aus Fernost. Die HSBC errechnet für den den PMI-Einkaufsmanagerindex für China im Juli einen Wert unter einer wichtigen Marke - und das erstmals seit März 2009.

Der am Montag bekannt gegebene Einkaufsmanagerindex (PMI) für China der HSBC-Bank fiel im Juli von 50,4 auf 49,4 Punkte - und damit unter die wichtige Marke von 50 Punkten. Nur Werte darüber signalisieren Wachstum. Das letzte Mal hatte der HSBC-Wert im März 2009 im negativen Bereich gelegen. "Die sich abzeichnende Abschwächung in China wird auch an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorübergehen", warnte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Mit einem Einbruch sei allerdings nicht zu rechnen.

Schon der bereits am Sonntag veröffentlichte offizielle Einkaufsmanagerindex der chinesischen Regierung war im Juli auf den niedrigsten Wert seit 17 Monaten gefallen. Besonders heftig stürzten einige Teilindizes ab. Der Index für neue Aufträge etwa sank um 1,2 auf 50,9 Punkte. Jener der HSBC-Umfrage lag im Juli gar nur noch bei 47,9 - ein 16-Monats-Tief. Die HSBC-Umfrage konzentriert sich stärker auf kleinere, private Unternehmen, oft mit hohem Exportanteil.

Das sind schlechte Nachrichten für deutsche Exportfirmen. Denn die Nachfrage aus China war der wichtigste Treiber der spektakulären Erholung seit Jahresbeginn. Chinas Hunger nach deutschen Autos und Maschinen war angefacht worden durch Konjunkturprogramme der Regierung in Peking. Aus Furcht vor Überhitzung und der Bildung von Finanzblasen hatte diese jüngst jedoch begonnen, die Förderung zurückzufahren und so das Expansionstempo der Wirtschaft zu drosseln.

Letzteres ist auch der Grund, warum viele Ökonomen die Abschwächung für China selbst nicht als alarmierend empfinden. "Was wir nun beobachten, ist ein gewolltes und kontrolliertes Zurückfahren des Wachstumstempos", sagte Krämer. Ähnlich gelassen äußerte sich HSBC-Chinaökonom Qu Hongbin: "Es gibt keinen Grund zur Panik, denn die Wirtschaft verlangsamt sich, sie schmilzt nicht ab." Chinas Börse reagierte am Montag sogar positiv auf den negativen HSBC-Wert - denn er senkt die Furcht der Anleger vor zusätzlichen Straffungsmaßnahmen.

Weniger positiv dürfte die Wahrnehmung dagegen aus deutscher Sicht sein. Für Firmen wie VW oder Siemens bedeutet die Abschwächung ein mögliches Ende des Absatzbooms in Fernost. Im zweiten Quartal hatten viele Konzerne vor allem auch dank der Bestellungen von dort Umsatzrekorde verbucht. Damit könnte in den kommenden Monaten Schluss sein. "Die Abschwächung in China könnte zu einer kleinen Delle bei den deutschen Exporten beitragen", sagte Alexander Koch, Volkswirt bei Unicredit. Zugleich betonte er, dass dies keineswegs ein Ende der Erholung bedeute.

Das Gleiche gilt nach Einschätzung von Experten für China selbst. Die Zentralbank in Peking kündigte an, die moderat lockere Geldpolitik der letzten Monate beizubehalten. Dong Tao, Asienchefökonom der Credit Suisse, erwartet auch für das laufende dritte Quartal noch ein Wachstum von rund neun Prozent. Im zweiten Quartal war Chinas Wachstum auf 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken - nach 11,9 Prozent im ersten Quartal. Ökonomen des Wirtschaftsinstituts des Staatsrats rechnen für das Gesamtjahr mit rund neun Prozent Wachstum - eine Abkühlung im zweiten Halbjahr ist dabei einkalkuliert.

 

Faule Kredite

Regeln

Größtes Risiko für China sehen Experten in den Folgen der exzessiven Kreditvergabe. Auf Geheiß der Regierung wurden 2009 sehr viele vergeben, um die Wirtschaft anzuschieben. Inzwischen sind die Vergaberegeln schärfer.

Schlupflöcher

Banken und Lokalregierungen versuchen, die Beschränkungen mit undurchsichtigen Finanzvehikeln zu umgehen. Banken drohen nun höhere Kreditausfälle als bisher bekannt. Gefährdet sind laut Regierungskreisen Darlehen von 171 Milliarden Euro.

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