19.01.2010

Elektronikhandel: Media-Saturn strapaziert Markenhersteller

Von: Henning Hinze (Berlin)
Praktisch alle Handelsunternehmen versuchen derzeit Eigenmarken auszubauen
Zoom Praktisch alle Handelsunternehmen versuchen derzeit Eigenmarken auszubauen
© Getty Images
Die Elektromarktkette entwickelt eine Eigenmarke für Unterhaltungselektronik und Hausgeräte. Das dürfte die Lieferanten ärgern.

Firmenchef Roland Weise habe Anweisung gegeben, das Projekt mit Priorität voranzutreiben, sagten mit der Sache vertraute Personen der "Financial Times Deutschland" (FTD). Die Elektromarktkette ist Tochter des Handelskonzerns Metro.

Zuvor waren die Verhandlungen über den Kauf der Marke Privileg gescheitert, die der Versandhändler Otto Ende vergangenen Jahres aus der Insolvenzmasse des Konkurrenten Quelle übernommen hatte. Die Gesprächspartner hatten sich dem Vernehmen nach nicht auf einen Preis einigen können.

Media-Saturn dürfte damit vor Konflikten mit seinen Lieferanten stehen. Die Markenartikelhersteller stehen Handelsmarken grundsätzlich skeptisch gegenüber. Media-Saturn war bei den Herstellern auch deshalb ein beliebter Partner für Präsentationen und Preisaktionen, weil das Unternehmen den Markenherstellern auf seinen Verkaufsflächen bislang Priorität eingeräumt hat.

Media-Saturn hatte Kauf oder Aufbau einer Eigenmarke zuletzt als gleichrangige Optionen genannt, faktisch aber vor allem die Kaufverhandlungen vorangetrieben. Nun konzentriert sich die Firma auf die zweite Variante, um wie alle Vertriebsschienen des Mehrheitsaktionärs Metro mehr Ware unter einem eigenen Namen zu verkaufen. Bei Eigenmarken ist die Marge des Händlers höher. Aus diesem Grund versuchen momentan praktisch alle Handelsunternehmen, deren Anteil auszubauen. Bisher sind weder der Zeitplan noch der angestrebte Eigenmarkenanteil von Media-Saturn bekannt. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen stehen aber die Eckpunkte fest. So soll er für die beiden Vertriebsschienen Media Markt und Saturn verwendet werden, europaweit und für Haushaltsgeräte sowie Unterhaltungselektronik genutzt werden.

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Diese Anforderungen hatten dazu beigetragen, dass Europas größter Elektronikhändler und Otto zu unterschiedlichen Preisvorstellungen gekommen waren. Privileg war bis zur Pleite von Quelle die größte deutsche Haushaltswarenmarke, ist außerhalb des deutschsprachigen Raumes aber weitgehend unbekannt. Auch gilt die ehemalige Quelle-Schwestermarke für Unterhaltungselektronik, Universum, als schwach. Beide gehören derzeit Otto. Dem Vernehmen nach gibt es zumindest für Privileg Verkaufsverhandlungen mit einem anderen Interessenten. Vergleichbare Marken stehen zurzeit nirgendwo sonst zu einem günstigen Preis zum Verkauf.

Für Media-Saturn führt der Aufbau einer eigenen Marke zu einem Zeitverlust. So muss das Unternehmen mühsam das Kundenvertrauen herstellen, das bei langlebigen Gütern wie Elektroartikeln extrem wichtig ist, gleichzeitig aber auch schwieriger und teurer aufzubauen ist als etwa bei Produkten wie Putzmitteln.

© 2010 ftd.de

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