Heiß hier. Und einsam. Dutzende von Kilometern im Umkreis des Bohrgestänges nichts als Sonne und himmelhohe Sanddünen. "Das Einzige, was du hier tun kannst, ist arbeiten, essen, schlafen", sagt Dave Hutchinson, ein kerniger Engländer mit Dreitagebart, Goldkettchen und verblüffend guter Laune, trotz Temperaturen von über 50 Grad. Der erfahrene Bergbau-Ingenieur ist Herr über einen Trupp von 80 Arbeitern, die mitten in der Sahara ein 5,3 Kilometer tiefes Loch in den Wüstenboden treiben. Auf der Suche nach Erdgas.
Hutchinson und seine Leute bohren für die Deutschen. Genauer: für den Energiekonzern Eon, der hier, in Rhourde Yacoub, rund 1000 Kilometer südöstlich von Algier, auf einen größeren Fund hofft. Und damit auf einen ersten Erfolg im Wettrennen um die lukrativsten Energiequellen Nordafrikas.
Seit Längerem schon suchen die Chinesen in der Sahara nach Öl und Gas, der russische Energieriese Gazprom startete 2008 erste Projekte. Nun entdecken auch die Europäer die Energieregion vor ihrer Haustür.
Eon bohrt hier im Wüstensand. RWE kündigte im Juli Investitionen von 3,6 Milliarden Euro für die Erschließung eines Gasfelds vor der ägyptischen Küste an, die BASF-Tochter Wintershall konzentriert sich schon länger auf Libyen. Frankreichs GDF Suez und die italienische Eni sind ebenfalls vor Ort.
Wichtigster Schauplatz ist dabei Algerien. Schon jetzt deckt der Maghrebstaat zehn Prozent des europäischen Gasbedarfs, vornehmlich in Südeuropa. Durch zwei Pipelines, die Transmed-Pipeline über Tunesien nach Sizilien sowie die Maghreb-Europa-Röhre durch die Straße von Gibraltar, wird das Gas direkt nach Europa gepumpt.
![]() Zoom Unterkunft im Niemandsland. Die Handvoll heller Wohncontainer, die sich neben dem Bohrturm in die Dünen ducken, sind hoch umzäunt und ständig beäugt von einer 50-köpfigen Wachmannschaft. |
Doch die Lieferungen könnten deutlich steigen - und weiter nach Norden dringen. Auch Deutschland könnte sich so aus seiner Abhängigkeit von den beiden dominierenden Lieferländern, Russland und Norwegen, befreien.
Die Erwartungen sind enorm. Mit 81,4 Milliarden Kubikmetern zählte Algerien 2009 bereits zu den sieben größten Gasförderländern der Welt. "Algerien ist bei Erdgas auf dem Niveau von Norwegen, und es gibt weiteres Potenzial", sagt Frank Sivertsen, der Chef der Explorationstochter Eon Ruhrgas E&P und Leiter des Sahara-Projekts.
Unter der Wüste liegen gewaltige Schätze. Nach Zahlen des BP-Konzerns sind die Gasreserven Algeriens mit 4,5 Billionen Kubikmetern sogar mehr als doppelt so groß wie die Norwegens. Gemeinsam bringen es die vier afrikanischen Länder Algerien, Ägypten, Libyen und Nigeria auf acht Prozent der bekannten weltweiten Reserven. Norwegen erreicht 1,1 Prozent.
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