Schwierigkeiten bei der Finanzierung neuer Windparks, der Einbruch des US-Marktes und weltweite Überkapazitäten haben den Windradbauern das laufende Geschäftsjahr vermiest. "Derzeit beobachten wir einen Konsolidierungsprozess", sagte Stephan Ritter, der beim Industriekonzern GE das Geschäft mit erneuerbaren Energien in Europa leitet. "Wir gehen davon aus, dass wir in drei bis vier Jahren eine neue Zusammensetzung der Unternehmen haben werden."
Neue Anbieter jagen etablierten Herstellern wie Vestas, Nordex oder Repower Kunden ab. Außerdem schrumpft der Markt, vor allem wegen der Weltwirtschaftskrise. Wie die Windindustrie mit den Veränderungen umgehen soll, wird sie ab Dienstag auf der wichtigsten Branchenmesse in Husum diskutieren.
"Die größeren Spieler beobachten genau, welche Übernahmeziele es gibt", so der Branchenexperte Matthias Spott von der Unternehmensberatung Roland Berger vor Kurzem. "Wir werden demnächst größere Deals sehen, es gibt aber auch kleinere Unternehmen, die interessant sind, weil sie einen guten Zugang zu ihren jeweiligen Heimatmärkten haben oder eine gute Technologie."
Weniger kleine Zulieferer
Bei den Anlagenbauern sei schwer zu sagen, ob Anbieter vom Markt verschwinden, sagte Hans Jörn Rieks, Europachef beim Marktführer Vestas. "Wenn der Weltmarkt wieder richtig wächst, ist Platz für alle. Wenn er noch zwei, drei Jahre so langsam bleibt, wird es für einige schwer zu überleben." Vor allem bei Zulieferern gebe es sehr viele kleinere Hersteller. "Das dürfte sich langfristig ändern." Außerdem würden Projektentwickler vom Markt verschwinden. "Die Energieversorger steigen immer stärker in das Windgeschäft ein und arbeiten lieber mit größeren Unternehmen zusammen."
Dieses Phänomen spielt Großkonzernen wie Siemens und GE in die Hände, die mithilfe von Übernahmen in den Markt eingestiegen sind. Sie haben aus dem konventionellen Kraftwerksbau gute Kontakte zu den Energieversorgern. GE trennt inzwischen nur noch eine Nachkommastelle davon, Vestas als Marktführer abzulösen. Trotz der Krise stelle die amerikanische Mutter Geld bereit, sagte GE-Manager Ritter: "Wir bekommen jetzt noch mehr Investitionsunterstützung als in den letzten drei Jahren." "GE und Siemens werden sicherlich in drei bis fünf Jahren Weltmarktführer", prognostizierte Nordex-Chef Thomas Richterich.
Angst vor Preisdruck aus China
Neben den Großkonzernen mischen auch chinesische Hersteller den Markt auf. In den vergangenen fünf Jahren wurden mit staatlicher Unterstützung rund 80 Windanlagenbauer im Land gegründet. "Langfristig werden vielleicht drei bis fünf überleben", glaubt allerdings Vestas-Manager Rieks.
Die westlichen Hersteller hoffen, dass ihnen eine Entwicklung wie in der Solarindustrie erspart bleibt, wo chinesische Hersteller einen Preisverfall ausgelöst haben. "Was den Anlagenpreis angeht, können wir natürlich nicht mithalten", sagte Rieks. Noch sei die Qualität der chinesischen Windmühlen schlecht. Die Preise seien allerdings auch in der Windbranche in den vergangenen Monaten bereits gesunken: In den USA zwischen acht und zwölf Prozent, in den Europa zwischen fünf und sieben Prozent. Vestas rutschte dadurch in die roten Zahlen: Im zweiten Quartal blieb ein Nettoverlust von 119 Mio. Euro.
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