Bislang ist die Zukunft nur ein Haufen Stahl. 50 Tonnen liegen in der Lagerhalle der Hamburger Sietas-Werft, die ersten von mehr als 10.000 Tonnen. Aus dem Haufen soll einmal das erste in Deutschland gebaute Offshore-Spezialschiff werden. Im Dock an der Elbe ist bald ein Platz frei für das 139 Meter lange Schiff mit seinen starken Kränen, die Windräder ins tiefe Meer pflanzen können.
Der Haufen Zukunft soll Sietas retten. Kürzlich ist die Werft in die Insolvenz gerutscht und klammert sich an ihren einzigen neuen Auftrag. Retten soll das Spezialschiff auch die Energiewende der Bundesregierung mit ihren ehrgeizigen Offshore-Zielen. Und die Windindustrie.
Noch gibt es in Europa viel zu wenige der rund 100 bis 150 Mio. Euro teuren Installationsschiffe, die die geplanten Windparks maßgeblich bauen sollen. Dabei muss es bald losgehen, in diesem Jahr will die Bundesregierung Dutzende Offshore-Windräder installieren lassen. In acht Jahren sollen in Nord- und Ostsee Turbinen mit einer Leistung von 10.000 Megawatt ans Netz gehen. Bisher stehen nur drei Windparks, die zusammen gerade mal 400 Megawatt bringen. Zwar sind 28 weitere genehmigt, doch der Ausbau stockt. Ein Problem ist die fehlende Anbindung ans Stromnetz - das andere die Schiffe.
"Der Bau von Offshore-Schiffen steht noch ganz am Anfang", sagt Rüdiger Fuchs, der Chef der Sietas-Werft. "Die Werften haben entweder technische Probleme, oder ihnen fehlt Geld."
Deutsche Banken finanzieren immer weniger neue Schiffe, selbst Standardfrachter wie Containerschiffe sind ihnen zu riskant. Die Finanzierung der Offshore-Schiffe ist besonders schwierig, denn die Technik ist Neuland. Wann die Offshore-Windkraft wirklich in Schwung kommt, und wie viele Schiffe gebraucht werden, ist ebenfalls noch nicht klar.
Mit alten Schiffen für Öl- und Gasbohrungen auf hoher See können die Windmüller nicht viel anfangen. "Nur fünf der 21 auf dem europäischen Markt vorhandenen Offshore-Schiffe können Windturbinen transportieren, die mehr als 3,6 Megawatt jährliche Leistung erbringen", sagt Philippe Schönefeld vom Schiffsmakler German Renewable Shipbrokers. 3,6 Megawatt - so groß ist eine kleinere Offshore-Windturbine. Nur drei Schiffe können ihre Ankerbeine in der 40 bis 50 Meter tiefen Nordsee absetzen. Außerdem sind die Schiffe im Schnitt 30 Jahre alt. Mangels Spezialschiff mussten Eon, Vattenfall und EWE, Verantwortliche des Pilotprojekts Alpha Ventus, die Fundamente, Türme und Rotorblätter der Windräder auf instabilen Schwimmpontons auf hohe See schleppen lassen.
Quelle: ftd.de
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