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20.01.2012

Energiewende: Greentech-Erfinder sitzen auf dem Trockenen

Von: Kathrin Werner
Die junge Greentech-Branche braucht neue Ideen
Zoom Die junge Greentech-Branche braucht neue Ideen
© Getty Images
Trotz vielversprechender Konzepte sinken die Investitionen in europäische Startups. Venture-Capital-Firmen scheuen das Risiko. Das könnte zum Problem für die Energiewende werden.

Ein chronischer Mangel an Wagniskapital lähmt die Greentechbranche. Kleinen und mittleren Unternehmen, die an neuer Umwelttechnik tüfteln, fehlen die Mittel für die Entwicklung ihrer Produkte. "Es gibt viel weniger Venture-Capital für erneuerbare Energien als zum Beispiel für Internet-Startups", sagte Simon Bransfield-Garth, Chef des jungen Solarunternehmens Eight19.

"Sie sind oft Vorreiter, die neue Produkte in den Markt bringen"

"Es gibt Unmengen Greentechfirmen, die Kapital suchen und einfach keins bekommen", sagte Alex O'Cinneide, Investmentchef von Masdar Capital, der Private-Equity-Sparte des staatlichen Ökokonzerns aus Abu Dhabi. "Es gibt in der Branche keinen Mangel an Innovationen, aber einen enormen Mangel an Finanzierung."

Kapitalknappheit für Greentechgründer gefährdet die Energiewende und den Umweltschutz weltweit. Die junge Branche braucht neue Ideen, um die Kosten erneuerbarer Energieerzeugung zu senken und andere globale Probleme wie Wassermangel, Müll und Energieverschwendung in den Griff zu bekommen. Solche Einfälle kommen weniger von etablierten Großkonzernen als von Gründern, die querdenken. "Sie sind oft Vorreiter, die neue Produkte auf und Ideen in den Markt bringen", sagte Jürgen Schmude, Gründungsforscher an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Bestehende Unternehmen sind in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation tendenziell passiver."

In Europa ist die Lage für Startups besonders brenzlig. 2011 sanken die Wagniskapitalausgaben in Europa und Israel um 30 Prozent auf 1,84 Mrd. Dollar. Die größte Finanzierungsrunde stemmte Better Place, ein israelisches Großprojekt zur Elektromobilität des Ex-SAP-Managers Shai Agassi, mit 200 Mio. Dollar. Er plane zwar für das laufende Jahr einen Einstieg in Europa, sagte O'Cinneide. "Generell haben es Unternehmen, die in Dollar abrechnen, aber deutlich einfacher. Wer weiß schon im Moment, wie sich der Euro entwickelt?"

Zwar ist die Summe, die im vergangenen Jahr in neue Umwelttechnikfirmen gesteckt wurde, laut der Analysefirma Cleantech Group weltweit leicht gestiegen - die Investments haben sich allerdings sehr stark verändert. Es fließt deutlich weniger Geld in neue Ideen, mit 7,64 Mrd. Dollar gingen stattdessen rund 85 Prozent des Venture-Capital in die Markteinführung von Produkten und die Anlaufkosten der ersten Fabriken - und damit an Unternehmen, die schon einige Jahre an ihren Erfindungen gearbeitet haben.

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Quelle: ftd.de
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