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18.01.2012

Energiewende: Ölstaaten bauen auf Solarstrom

Von: Kathrin Werner
Der Solarpark in Abu Dhabi ist der erste, der in der Region eröffnet wurde.
Zoom Der Solarpark in Abu Dhabi ist der erste, der in der Region eröffnet wurde.
© FTD/Katrin Werner
Bei 360 Sonnentagen im Jahr ist es selbst für die ölreichen Golfstaaten günstiger, Strom aus den erneuerbaren Energiequellen zu fördern. Für die gebeutelte deutsche Branche ist das ein Hoffnungsschimmer.

Auf den Solarpanels pappt eine solide Sandkruste, die Sonnenstrahlen dringen kaum hindurch. Ständig bürsten Arbeiter die Mischung aus staubigem Wüstenwind und feucht-kalter Nachtluft von den Modulen: eine mühselige Arbeit. Hier in Abu Dhabi strahlt die Sonne so stark wie sonst fast nirgends - und das 360 Tage im Jahr. Doch der Sand macht es schwer, die Strahlen in Strom zu wandeln. Schwerer jedenfalls, als Öl aus der Erde zu holen. Abu Dhabi verfügt über acht Prozent der weltweiten Ölreserven, sie reichen noch gut 100 Jahre. Und trotzdem: Das Emirat will zum Solarland werden.

Abu Dhabi ist nicht allein. Nach und nach lösen die Ölstaaten Europa als Boommarkt für die Solarindustrie ab. Erste kleinere Solarparks haben den Betrieb schon aufgenommen. Und ein Golfstaat nach dem anderen kündigt Großprojekte an - zur Freude deutscher, chinesischer und amerikanischer Solartechnikhersteller, die nach Alternativen zum deutschen und anderen europäischen Märkten suchen, wo immer wieder Subventionskürzungen drohen.

"Wir haben schließlich beides: Platz und Sonne"

"2012 werden einige neue Solarparks ans Netz gehen, vor allem in Saudi-Arabien. Außerdem sind in der Region Projekte mit einer Leistung von etlichen Hundert Megawatt im Bau", sagt Sami al-Churaibi, der Chef von Enviromena. Der größte Solarparkentwickler der Region gehört mehreren Private-Equity-Firmen wie Good Energies. "Katar, Oman und Kuwait wollen Solaranlagen auf Dächer schrauben, fast alle anderen legen Programme für große Solarkraftwerke in der Wüste auf. Wir haben schließlich beides: Platz und Sonne."

Die Logik dahinter ist einfach: Die Bevölkerungszahlen in der Region steigen, der Energiebedarf noch schneller. Gleichzeitig wächst die Einsicht, dass die Ölressourcen endlich sind. Und die Ausbeutung der Quellen lohnt sich mehr, wenn man Öl und Gas teuer exportiert, als sie an die eigene Bevölkerung zu verschleudern, die billige und subventionierte Energie gewohnt ist.

Investitionszuwachs um 104 Prozent

Laut UNDP, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, sind die Investitionen in erneuerbare Energien im Nahen Osten im Jahr 2010 auf 5 Mrd. Dollar gewachsen - 104 Prozent mehr als im Vorjahr. Weltweit wurden 211 Mrd. Dollar ausgegeben - ein Wachstum von 30 Prozent.

In Abu Dhabi gibt es bereits einen mittelgroßen Fotovoltaikpark, den Enviromena gebaut hat. Ein weiterer, zehnmal so großer ist in Planung. Außerdem lässt sich der Herrscher Scheich Chalifa Bin Sajid Al Nahjan gerade eine deutlich größere Solaranlage in die Wüste setzen, bei der mit Spiegeln und Turbinen Strom erzeugt wird.

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