Die Deutsche Bahn erhöht nach öffentlicher Kritik die Entschädigungszahlungen für Fahrgäste aus überhitzten ICE-Wagen. So sollen Betroffene, die wegen ausgefallener Klimaanlagen ernste Gesundheitsprobleme bekamen und ärztlich versorgt wurden, 500 Euro in bar erhalten. Das berichteten Nachrichtenagenturen am Mittwoch unter Berufung auf Firmenkreise.
Bislang hatte die Bahn für diese Gruppe lediglich das Anderthalbfache des Fahrpreises in Form von Reisegutscheinen zugesagt. Das Unternehmen ginge mit der Zahlung sogar noch über den von Verbraucherschützern geforderten Barbetrag von 300 Euro hinaus.
Während der Hitzewelle der vergangenen Woche waren am 10. Juli in einem überhitzten ICE mehrere Schüler kollabiert. Neun von ihnen wurden in Bielefeld ins Krankenhaus gebracht. Grund war ein Ausfall der Klimaanlage in dem Schnellzug. Später kam heraus, dass die Kühlung für den Innenraum der Züge nur bis 35 Grad ausgelegt sind.
Obwohl die Bahn Nachrüstung und stärkere Klimaanlagen in neuen Zügen zusagte, hagelte es scharfe Kritik an dem Unternehmen in der Öffentlichkeit. Das rief auch die Politik auf den Plan: Die Vorgänge beschäftigen am Donnerstag ein Spitzentreffen zwischen Mitgliedern des Verkehrsausschusses im Bundestag, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sowie Konzernchef Rüdiger Grube.
Der ging vor dem Treffen in die Offensive: Im Magazin "Stern" macht Grube die Hersteller der Züge mit verantwortlich: Von Siemens, Bombardier und Alstom habe die Bahn "bislang fast nie Züge geliefert bekommen, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben", sagte der Bahn-Chef.
Kritik, die aktuellen Probleme wie auch frühere Schwierigkeiten etwa mit ICE-Radreifen, der Neigetechnik der jüngsten Zuggeneration oder den Ausfällen bei der vom Konzern betriebener Berliner S-Bahn beruhten auf mangelnder Wartung, wies der Konzernchef zurück: Sein Unternehmen gebe "heute mehr Geld für die Wartung aus als vor fünf Jahren. Wir fahren in den Werkstätten einen Dreischichtbetrieb."
Die Vermutung, das Unternehmen spare angesichts der Börsenpläne und Dividendenvorgabe des Eigentümers Bund an der Wartung, sei falsch. Die Bahn-Reform von 1994 verlange von dem Unternehmen in Staatsbesitz zwar "ausdrücklich wirtschaftliches Handeln, als auch Gewinn", sagte Grube. "Aber: Niemand presst den Konzern aus." Die Bundesregierung hat dem Unternehmen eine Ausschüttung von 500 Millionen Euro jährlich zum Ziel gesetzt.
Die verschärfte Wartung könne auch dazu führen, dass Fahrgäste verspätet oder gar nicht ankommen: Wenn ein Zug ausfalle, "haben wir bei den ICEs eben kaum noch Ersatz", räumte er ein. "Früher konnten wir jeden zehnten Zug in Reserve halten. Aufgrund der zehnmal häufigeren Kontrollintervalle ist die Reserve jedoch geschmolzen."
Quelle: ftd.de
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