Die Schuldenkrise in Südeuropa setzt den Euro seit Monaten kräftig unter Druck. Die europäische Gemeinschaftswährung hat gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn mehr als 16 Prozent an Wert eingebüßt. Doch während einige deutsche Politiker schon den Zusammenbruch der Währungsunion befürchten, kommt der Industrie der niedrigere Kurs wie gerufen. Denn in keinem anderen Land der Euro-Zone verschafft der schwache Euro den Firmen einen so großen Wettbewerbsvorteil wie in Deutschland. Schließlich macht der Export rund 45 Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung aus. Der Durchschnitt in Europa liegt bei knapp 19 Prozent.
Wie sehr deutschen Unternehmen die jüngste Abwertung in die Karten spielt, zeigt die Entwicklung des Leitindex Dax, der seit Jahresbeginn leicht um 1,5 Prozent zulegte. Der Euro Stoxx 50 büßte dagegen im gleichen Zeitraum rund elf Prozent an Wert ein. "Die Euro-Schwäche ist der wichtigste Grund, weshalb sich der exportlastige Dax zuletzt deutlich robuster präsentierte als andere große europäische Indizes", sagt Christian Ludwig, Aktienanalyst beim Bankhaus Lampe.
Bessere Zahlen für das zweite Quartal
Zu den Gewinnern zählen vor allem die Autobauer VW, Daimler und BMW. Rund 44 Prozent der Umsätze fährt etwa der bayerische Autohersteller außerhalb Europas ein. Experte Ludwig rechnet am Beispiel von Daimler vor, wie die heimischen Autobauer von der Euro-Schwäche profitieren. "Notiert der Euro bei 1,25 Dollar statt bei 1,50 Dollar, erzielt Daimler beim Verkauf einer E-Klasse in den USA umgerechnet ein Plus von 6000 Euro. "
Nicht nur den Automobilherstellern nutzt die schwache Währung, sondern auch Maschinenbauern und Technologiekonzernen. Der Chiphersteller Infineon etwa, der rund 60 Prozent seiner Erlöse im Dollar-Raum erzielt, kann aktuell kräftig verdienen: "Es bringt uns derzeit im Segmentergebnis 1 Millionen Euro bis 1,5 Millionen Euro pro Quartal, wenn der Dollar um 1 Cent zum Euro steigt", sagt Infineon-Chef Peter Bauer.
Dem Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS bringt ein um 10 Cent schwächerer Euro rund 1 Milliarden Euro ein. Dass das MDax-Unternehmen mit dem Gedanken spielt, die Umsatzerwartungen für das laufende Jahr nach oben zu schrauben, ist also nachvollziehbar.
EADS wird aber nicht der einzige Konzern sein, der seine Prognose für 2010 nach oben anpassen könnte. "Der Großteil der Unternehmen, deren Geschäft stark von den globalen Konsumenten, allen voran aus Asien, abhängig ist, wird wohl bessere Zahlen als gedacht für das zweite Quartal präsentieren - und die Ziele für das laufende Geschäftsjahr nach oben anpassen", prognostiziert Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. "Wenn man Aktien kaufen will und zyklische Risiken nicht scheut, sind Anteilscheine von exportlastigen deutschen Unternehmen derzeit erste Wahl", fügt Roland Ziegler, Aktienanalyst der BHF-Bank hinzu.
Quelle: ftd.de
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