Ein Familienunternehmen in der Logistikbranche gründet eine eigene Fahrschule, um so Bewerber selbst zu unterrichten. Ein Sandwich-Hersteller, der in Hamburg produziert, sucht sich gute Leute im Ausland. Ein Autozulieferer macht durch Schulungen und Betriebspraktika aus Arbeitslosen ohne Perspektive erstklassige Mitarbeiter. Diese Unternehmen beweisen, dass es Auswege aus der Krise gibt.
Die Zahlen sind alarmierend: Mehr als die Hälfte der Firmen hat Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen. Der Mangel an Ingenieuren ist seit Jahren bekannt. Doch jetzt, da die Konjunktur richtig Schwung bekommt, werden auch andere Fachkräfte wie Chemiker, Kaufleute oder Techniker gesucht - und nur selten gefunden. Die Konsequenzen treffen die Unternehmen ins Mark: Aufträge bleiben liegen oder werden erst gar nicht angenommen. Statt sich um Innovationen und neue Geschäftsfelder zu kümmern, gehen Chefs auf Personalakquise. Kurzum: Jetzt sind neue Konzepte gefragt, um die so dringend benötigten Fachkräfte finden und halten zu können.
Anhand von zehn erfolgreichen Unternehmen zeigt impulse, wie der Kampf um die besten Köpfe zu gewinnen ist: Top-Strategien, die für alle Branchen und Firmen jeder Größe geeignet sind. Lesen Sie, welche Erfahrungen andere Unternehmer gemacht haben. Etwa mit der Qualitätsmanagerin aus Polen, einem Zeitarbeitnehmer als Vertriebsmitarbeiter, einem gemeinsamen Personalpool. Oder mit der bis vor Kurzem als verwegen empfundenen Idee, gezielt ältere Arbeitslose zu rekrutieren.
Das eigene Unternehmen für gute Kandidaten attraktiv zu machen mag manchem Firmenlenker schwerfallen. Zu frisch noch sind die Erinnerungen an die Massen von Bewerbermappen, die sich auf dem Schreibtisch stapelten. Diese Zeiten sind vorbei. Noch vor gut zehn Jahren erntete das Beratungshaus McKinsey für die Studie "War for Talent" ungläubiges Staunen. Jetzt ist der "Krieg" voll im Gang, denn für viele Firmen geht es heute um die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Der deutschen Wirtschaft entstehen jährliche Verluste von geschätzten 50 Milliarden Euro, weil Mitarbeiter fehlen und unqualifizierte Bewerber engagiert werden müssen.
Zumindest einen Teil des Problems haben sich die Unternehmer sicher selbst zuzuschreiben: "So wie Aktienanleger auf Börsencrashs reagieren viele Unternehmer zu überstürzt auf Auftragsschwankungen. Sie sollten besser eine nachhaltige Personalentwicklung betreiben, indem sie Mitarbeiter halten und fördern", rät Albert Nussbaum, Geschäftsführer des Wiesbadener Personalberaters Mercuri Urval. Ein gelungenes Beispiel liefert die Sick AG: Hier werden sogar die Azubis umsorgt. Damit sie den globalen Wettbewerb kennen lernen, besuchen sie für mehrere Wochen Schulen in Finnland und Ungarn.
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