10.12.2009

Familienunternehmen: Sparen in der Zeit, Haben in der Not

Von: Olaf Wittrock
Familienunternehmer haben gute Gründe für Optimismus
Familienunternehmer haben gute Gründe für Optimismus
Lange wurden Familienunternehmen für ihre konservative Finanzpolitik belächelt. Nun schlägt ihre Stunde: Viele haben genug Eigenkapital, um die Krise auszusitzen und sogar antizyklisch zu investieren.

Die jüngsten Meldungen machen Mut. Offensichtlich dreht die Stimmung. Statt Rezession prognostizieren die Auguren nun Wachstum. Der Mittelstand blickt wieder optimistischer in die Zukunft, stellte beispielsweise der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) unlängst in seiner Herbstumfrage fest. Zwar beurteilten die Firmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nach wie vor schlecht. Aber das Urteil fällt besser aus als zuvor - und das zum ersten Mal seit zwei Jahren.

Solche Signale sind in den letzten Monaten flächendeckend sehnlichst erwartet worden. Denn nicht nur die großen Konzerne sind ins Trudeln geraten. Auch die vielen familiengeführten mittelständischen Unternehmen stecken in der Krise. Laut einer Umfrage der Stiftung Familienunternehmen ist bei 73 Prozent der Betriebe die Nachfrage drastisch eingebrochen - bei einem Viertel sogar um mehr als 30 Prozent. 53 Prozent beklagen einen Preisverfall. Auch hier ist das Ausmaß erheblich: 40 Prozent mussten die Preise um über ein Zehntel senken. Und ein Viertel der befragten Firmen moniert die fehlende Unterstützung der Banken.

"Wir befinden uns mitten in einer tiefgehenden gesamtgesellschaftlichen Krisenentwicklung ohne Vorbilder in der jüngsten Wirtschaftsgeschichte", folgern die Autoren der Studie. Trotzdem blickt der Mittelstand optimistisch in die Zukunft, was Rudi Wimmer von der Universität Witten/Herdecke, der die Studie begleitet hat, erstaunt: "Die Krisenwahrnehmung entspricht nicht der Bedrohungslage." In vielen Familienunternehmen ist die Stimmung also besser als die eigentliche Lage.

Solide Eigenkapitalbasis als Puffer

Für so viel Optimismus gibt es gute Gründe. "Viele Unternehmen profitieren von ihrem in den vergangenen Jahren angehäuften Eigenkapitalpolster", sagt Wimmer. "Sie können die derzeitigen Erlöseinbrüche durch eigene Mittel ausgleichen." Jahrelang wurden die familiengeführten Betriebe für ihre konservative Finanzierungsstrategie belächelt. Nun profitieren sie davon.

Wer Kreditlinien gar nicht oder nur selten in Anspruch nimmt, Investitionen immer aus dem laufenden Geschäft finanziert und nichts auf Pump bezahlt, der wächst in guten Zeiten zwar langsamer. In Jahren aber, in denen sich Banken mit Anschlussdarlehen schwertun, profitieren diese vorsichtigen Kaufleute von ihrer Finanzkraft.

"Eine solide Eigenkapitalbasis bietet gerade in Krisenzeiten einen wichtigen Puffer, weil alternative Finanzierungsquellen dann nur schwer zugänglich sind und Fremdkapitalgeber darüber hinaus hohe Anforderungen stellen", sagt Mittelstandsforscherin Ann-Christin Achleitner von der Technischen Universität in München. Sie hatte noch kurz vor Ausbruch der Finanzkrise zusammen mit der Beratungsgesellschaft Droege & Comp und dem Familienunternehmerverein Alphazirkel die Finanzierung inhabergeführter Firmen untersucht.

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