Sicher führen Jenny und Johanna den feinen Pinsel. Langsam verwandeln sich die Linien in fantasievolle Blüten, Blätter und Ranken. Das Muster erinnert an die traditionelle, farbenfrohe Kurbitsmalerei, mit der schwedische Künstler früher Schränke, Wände, Stühle und Betten verzierten. Der einzige Unterschied: Statt alle Farben zu nutzen, die die Palette hergibt, arbeiten Jenny und Johanna nur mit Grautönen.
Die beiden Cousinen sind 22 und 26 Jahre alt und heißen Lindberg mit Nachnamen. Irgendwann werden sie die Leitung der ältesten Dalapferd-Manufaktur Schwedens übernehmen: Grannas A. Olsson Hemslöjd. Schon jetzt arbeiten sie mit, Johanna im Hausverkauf, Jenny ist für den Internetshop zuständig. Beide fühlen sich der Tradition verpflichtet - wollen aber auch neue Ideen einbringen.
Knapp 1,4 Millionen Euro Umsatz
Die auf Grautöne reduzierte Kurbitsmalerei, die die beiden Cousinen Anfang des Jahres entwarfen, ist eine davon. Ein paar Tausend Holztiere mit der modernisierten Variante des Kurbitsmusters wurden bereits verkauft. Christina Liljegren, Sprecherin des Unternehmens, ist mit den Verkaufszahlen mehr als zufrieden. "Das ist sehr gut für ein neues Produkt." Optimistisch blickt sie ins kommende Jahr: "Wir erwarten, dass es 2010 noch mehr werden."
100 000 Holzpferde - traditionell oder mit neuem Muster bemalte Spezialanfertigungen und Sammlereditionen - verkauft Grannas A. Olsson Hemslöjd im Jahr und macht damit einen Umsatz von knapp 1,4 Millionen Euro. 20 Prozent der hergestellten Pferde exportiert das Familienunternehmen, die meisten nach Japan.
Keine Spur von Wirtschaftskrise
Von der Wirtschaftskrise merkt die Manufaktur bisher noch nichts. Obwohl Grannas keine Werbung macht und auch nicht mehr regelmäßig auf Messen geht. "Die Kunden finden uns", sagt Liljegren. "Wir verkaufen alles, was produziert wird."
Im Backhaus des Bauernhofs seiner Eltern hat Grannas Anders Olsson, der Urgroßvater von Jenny und Johanna, seine ersten Dalapferde hergestellt. 1922 gründete der damals 26-Jährige sein Unternehmen. Sechs Jahre später zog er mit seinem Geschäft ins Dorf. Nusnäs am Siljansee im Herzen Schwedens ist einer der wenigen Orte, an denen die bemalten Holzpferde noch hergestellt werden. Bengt-Arne Tomth und seine Cousinen, die Schwestern Kristina und Gunilla Lindberg, leiten Grannas A. Olsson Hemslöjd heute. Kristina Lindberg ist die Mutter von Jenny, Gunilla Lindberg die Mutter von Johanna.
Die Pferdeproduktion als Wirtschaftsfaktor
Mehrere Europapaletten Holzabfälle holen ihre Mitarbeiter jeden Monat aus dem nahegelegenen Sägewerk ab. Pferde in 20 verschiedenen Größen, von zehn Millimetern bis zu 75 Zentimetern, werden daraus gefertigt. 50 Holzschnitzer, meist Rentner aus der Gegend, geben den kantigen Rohlingen in Heimarbeit den letzten Schliff. In der Manufaktur kommt schließlich Farbe ins Spiel.
Die ersten Holzpferde, die die Männer aus der schwedischen Provinz Dalarna einst schnitzten, waren für ihre Kinder bestimmt. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Pferdeproduktion schon ein echter Wirtschaftsfaktor in Schweden. International bekannt wurden die bunten Tiere nach der Weltausstellung 1939 in New York. Wo technischer Fortschritt und die Welt von morgen im Mittelpunkt stehen sollten, zog ein drei Meter hohes, traditionell bemaltes Dalapferd die Blicke der Besucher auf den schwedischen Pavillion. Heute verschenkt die schwedische Regierung die Pferde an Könige, Präsidenten und Nobelpreisträger.
"Unser Vertrauen in die Zukunft ist groß", sagt Gunilla Lindberg. Dass die beiden Cousinen neue Ideen einbringen, findet sie gut, weil sich erfolgreiche Unternehmen ständig verändern. "Wir wissen, dass es weitergeht, wenn es uns nicht mehr gibt", sagt Lindberg.
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