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24.08.2010

Flugticketabgabe: Die Angst der Provinz vor dem Sinkflug

Von: Jennifer Lachman
Flughafen Weeze
Zoom Flughafen Weeze
© FTD/Oliver Tjaden
Die geplante Steuer auf Flugtickets hat die Branche in Aufruhr versetzt. Das Ende der Billigfliegerei wird sie zwar nicht einläuten. Aber vor allem Regionalflughäfen fürchten, dass viele ihrer sparsamen Gäste ausbleiben. Die Sorge ist berechtigt, zeigt das Beispiel Weeze.

Ludger van Bebber kann seinen Ärger nicht verhehlen. "Das ist Irrsinn, absoluter Irrsinn", schimpft der Geschäftsführer des Flughafens Weeze. Seine Stimme überschlägt sich. "Wo kommen wir denn da hin, wenn plötzlich so eine Steuer vom Himmel fallen und unsere Businesspläne für die kommenden Jahre einfach über den Haufen werfen kann?"

Nicht nur bei dem 46-jährigen Flughafenbetreiber, in der gesamten Branche liegen die Nerven blank. Seit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Juni ankündigte, dass er im Rahmen des Sparpakets Flugtickets mit einer neuen Abgabe verteuern will, tobt eine heftige Debatte. 1 Mrd. Euro soll die Steuer in die leere Staatskasse spülen. Unsinnig, wirkungslos, schädlich - das sind noch die freundlichsten Umschreibungen, die Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber oder sein Air-Berlin-Kollege Joachim Hunold für die Abgabe übrighaben.

Aber es gibt durchaus auch andere Stimmen, die Schäubles Idee aus ökologischen Gründen für sinnvoll halten. "Es kann nicht sein, dass durch Billigfliegerei und Tickets für 9,90 Euro die Umwelt verpestet wird", sagt etwa der Chef des Reiseveranstalters Alltours, Willi Verhuven. Zwischen 8 und 45 Euro - je nach Strecke und Ziel - sollen Passagiere ab Januar mehr bezahlen, heißt es im Gesetzentwurf. Ausgenommen wären allerdings Umsteiger - und Frachtflüge.

Über Sinn oder Unsinn des Low-Cost-Booms ist zwar schon oft diskutiert worden. Mit seiner neuen, als "ökologisch" deklarierten Steuer wirft aber Schäuble jetzt erneut ein Schlaglicht - vor allem auf Ryanair, aber auch auf Anbieter wie Easyjet und Germanwings, die mit ihren Schnäppchenpreisen einst die gesamte Branche umkrempelten. Ist es nicht eigentlich vernünftig, wenn Fliegen wieder teurer wird?, wird plötzlich gefragt. Und: Welche Folgen hätte das für den Wildwuchs der kleineren Flughäfen, die solchen Anbietern eine Basis bieten?

53 Millionen Passagiere und damit knapp jeder dritte Fluggast in Deutschland kauften im vergangenen Jahr Tickets bei Billigfliegern. Viele von ihnen hoben von einem der 19 Regionalflughäfen ab, die bundesweit um die sparsamen Fluggäste buhlen. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es gleich mehrere dieser Renommierprojekte von Regionalpolitikern: Münster/Osnabrück, Dortmund, Paderborn/Lippstadt - alle defizitär und mit Steuergeldern unterstützt. Markus Kopp, Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG, sieht hier ein deutliches Überangebot und schreibt dies dem "Ehrgeiz von Kommunalpolitikern" zu, "die quasi vor der Haustür Direktverbindungen herstellen wollen, die wirtschaftlich nicht verantwortbar sind".

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