07.01.2010

Folge der Absatzschwäche: Tausende Autohändler vor dem Aus

Von: Heimo Fischer (Stuttgart)
Händler leiden unter sinkende Margen, da sich Kunden an Nachlässe gewöhnt haben
Zoom Händler leiden unter sinkende Margen, da sich Kunden an Nachlässe gewöhnt haben
© ddp
Die Abwrackprämie hat den Verkaufshäusern über das verkorkste Jahr 2009 geholfen. Nach dem Wegfall des staatlichen Geschenks bekommen die Händler die sinkende Nachfrage zu spüren. Bis zu 6000 Geschäfte sind in ihrer Existenz bedroht.

Durch die schwache Nachfrage der Kunden geraten die Autohändler in Existenznot. Laut Schätzung der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft sind allein in Deutschland dieses Jahr 6000 Autohäuser gefährdet. Branchenexperten betonen allerdings, dass die Krise den Blick auf Schwierigkeiten freigibt, die schon vorher bestanden haben. "Viele Händler leiden unter hausgemachten Problemen", sagt Peter Fuß, Autoexperte beim Unternehmensberater Ernst & Young. Diese würden durch die Wettbewerbssituation verstärkt.

Dazu gehören sinkende Margen, da sich Kunden an Nachlässe für Neuwagen von bis zu 20 Prozent gewöhnt haben. Eine Ursache dafür liegt in der staatlichen Abwrackprämie, die im Sommer ausgelaufen ist.

Neuzulassungen in Deutschland

Es wäre aber falsch, den Grund für die desolate Lage nur in sinkenden Margen zu suchen, sagt Experte Fuß. "Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder beobachtet, dass Händler extrem unprofessionell agieren." Die meisten Firmen würden ihre Kundendateien nicht pflegen, Interessenten ignorieren, geschweige denn nach einiger Zeit anrufen oder schreiben, um Kontakt zu halten. Probefahrten seien oft schwer zu bekommen, manchmal würden potenzielle Käufer nicht einmal beachtet, wenn sie die Schauräume beträten.

Unter Fachleuten gilt die deutsche Kfz-Branche seit 20 Jahren als sanierungsreif. Allerdings bewahrte zunächst die Öffnung der Grenzen und später der Aufschwung in Osteuropa viele Händler vor notwendigen Einschnitten. Die Branche erfahre eine lange verzögerte Neustrukturierung, sagt Ansgar Klein, Vorstand des Bundesverbands freier Kfz-Händler. Er vertritt rund 800 nicht markengebundene Unternehmen.

Doch nun steht der Branche das Wasser bis zum Hals. Von Januar bis September 2009 verzeichnete der Autohandel nach Zahlen des Statistischen Bundesamts schon 30 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Zu den prominenten Opfern gehören große Autohandelsgruppen wie Aventi und Kroymans. Infolgedessen beginnen die Hersteller, ihre Vertriebskonzepte zu überdenken. So testet beispielsweise Audi in einem Pilotprojekt, verstärkt Beziehungsmanager einzusetzen. Diese besuchen und beraten potenzielle Käufer zu Hause.

© 2010 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews