Die zehn größten Banken Deutschlands brauchen wegen der schärferen Regulierung rund 50 Mrd. Euro frisches Kapital. Diese Summe habe die Bundesbank für die kommenden neun Jahren in einer vertraulichen Studie errechnet, berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Demnach haben Experten der Bundesbank Kreditinstitute mit einem Kernkapital von mehr als 3 Mrd. Euro unter die Lupe genommen.
Den größten Teil des bis 2019 entstehenden Bedarfs könnten die Banken durch einbehaltene Gewinne und eine Kapitalaufnahme von außen decken, hieß es. Für etwa 10 Mrd. Euro müssten sie aber neue Geldquellen erschließen. Ein Bundesbanksprecher wollte zu dem Bericht nicht Stellung nehmen. Zu den zehn größten deutschen Banken zählen die Deutsche Bank und die Commerzbank, aber auch Landesbanken wie die WestLB, LBBW oder BayernLB.
Die Deutsche Bank hatte vergangene Woche bereits angekündigt, sie werde wegen der Übernahme der Postbank und der strengeren Vorschriften bei ihren Aktionären rund 10 Mrd. Euro einsammeln. Die Commerzbank lässt derzeit gerade das Interesse der Investoren an neuen Aktien ausloten. Jenseits des Kapitalbedarfs aus einer strengeren Regulierung braucht das vom Staat gestützte Institut auch frisches Geld, um Steuergelder zurückzuzahlen.
Der Bankenverband hatte den Kapitalbedarf der zehn größten deutschen Geschäftsbanken unter dem Reformwerk Basel III vor Bekanntwerden der neuen Eigenkapitalregeln zunächst auf gut 100 Mrd. Euro geschätzt, diese Prognose aber nach der Veröffentlichung der finalen Rahmenbedingungen wieder zurückgezogen. Dagegen gehen die Analysten der US-Bank JP Morgan davon aus, dass die größten europäischen Institute die verschärften Anforderungen ohne Kapitalerhöhungen bewältigen können.
Die neuen Basel-III-Regeln sollen verhindern, dass Staaten - wie in der jüngsten Vergangenheit - wieder mit Milliarden einspringen müssen, um Kreditinstitute vor der Pleite zu retten, weil deren Zusammenbruch sonst eine Kettenreaktion auslösen würde. Stattdessen sollen sich die Banken mit deutlich mehr Eigenkapital und größerem Liquiditätspuffer besser für künftige Krisen und eventuelle Turbulenzen rüsten.
Die Regeln sollen von 2013 an stufenweise bis Ende 2018 eingeführt werden. So soll verhindert werden, dass auf die Banken zu hohe Belastungen zukommen und die Kreditvergabe an die Wirtschaft eingeschränkt wird. Die Institute müssen in Zukunft sechs (bisher vier) Prozent ihrer risikogewichteten Aktiva als Kernkapital (Tier 1) vorhalten. Das sogenannte harte Eigenkapital (Core Tier 1) soll von bislang zwei auf 4,5 Prozent steigen. Hinzu kommt ein Puffer von 2,5 Prozent für schlechte Zeiten.
Allerdings geht Basel III nicht auf das durch die Krise offenkundig gewordene Problem ein, wie verhindert werden kann, dass Banken zu groß werden und ob ihrer schieren Größe eine Rettung durch den Staat bei einer Schieflage notwendig machen. Ein international geltendes Insolvenzrecht für Banken wäre hier ein Lösungsansatz.
Quelle: ftd.de
© 2010 reuters
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