11.08.2009

Friedenspakt: Schaeffler knickt ein

Von: Angela Maier (München), Sven Clausen und Kristina Spiller (Hamburg)
Der Schaeffler-Hauptsitz in Herzogenaurach
Der Schaeffler-Hauptsitz in Herzogenaurach
© ddp
Nach monatelangem Streit haben sich Vertreter von Schaeffler und Continental grundlegend geeinigt. Nach Informationen der Financial Times Deutschland verständigten sich die Beteiligten auf einen Kompromiss, den der Aufsichtsrat von Continental auf seiner Sitzung am Mittwoch absegnen soll.

Demnach lenkt Schaeffler ein und hält nicht länger an dem umstrittenen Anwalt Rolf Koerfer als Conti-Aufsichtsratschef fest. Im Gegenzug haben die Gewerkschaften zugesagt, die Ablösung von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann durch den Schaeffler-Mann Elmar Degenhart zu unterstützen.

Dies wäre ein historischer Friedensschluss der Konzerne. Ihr Konflikt hatte im Juli 2008 mit der Übernahmeattacke des Herzogenauracher Familienunternehmens auf die damals noch im Dax notierte Conti begonnen und war seither immer weiter eskaliert.

Auf der letzten Sitzung am 30. Juli hatten Contis Arbeitnehmervertreter den von Schaeffler betriebenen Rauswurf von Neumann noch blockiert. Sie warfen Schaeffler und dessen Vertreter Koerfer vor, die eigenen Interessen mit der Brechstange durchsetzen zu wollen. Neumann war mit seiner als Vertrauensbruch empfundenen Attacke auf Schaeffler in Ungnade gefallen.

Der chaotische Verlauf der Sitzung hatte auch Commerzbank-Chef Martin Blessing als Wortführer der Schaeffler-Gläubigerbanken und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Garant der Investorenvereinbarung zwischen Schaeffler und Conti auf den Plan gerufen. Nach Informationen der Financial Times Deutschland wirkte Blessing in den vergangenen Tagen bei der Vermittlung maßgeblich mit. Die Grundzüge wurden Insidern zufolge unter Beisein des Bankers am Sonntag auf einem Treffen zwischen den Schaeffler-Eignern Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler sowie Hannovers IG-Metall-Chef Hartmut Meine und Werner Bischoff als Vize-Aufsichtsratschef und IG-BCE-Vorstand festgezurrt.

 

Die Gewerkschafter müssen aber noch die anderen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat überzeugen. Das haben auch einige Kapitalvertreter zur Bedingung für ihre Zustimmung bei der morgigen Sitzung gemacht. Dienstagabend finden dazu Vorbesprechungen der Kapital- und Arbeitnehmerseite statt. Blessing war zuletzt Untätigkeit angesichts des Chaos bei Conti vorgeworfen worden. Die Banken haben ein Druckmittel, da sich Schaeffler mit dem Erwerb von 90 Prozent an Conti übernommen hat und unter den 11,5 Milliarden Euro Krediten zusammenzubrechen droht.

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