Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken
29.06.2010

Fusion mit Continental: Schaeffler gibt Familienära endgültig auf

Von: Angela Maier
Maria Elisabeth Schaeffler
Maria Elisabeth Schaeffler
© AP
Zeitenwende beim Familienkonzern: Nach mehr als 50 Jahren muss Schaeffler Firmengeheimnisse lüften - und folgt damit dem Druck der Gläubiger.

Schaeffler hat das operative Geschäft sowie seine 75-Prozent-Beteiligung an Continental in der Schaeffler GmbH mit Sitz in Herzogenaurach zusammengefasst, teilte Schaeffler am Montag mit. Dies erfolgte mit Wirkung zum Montag. "Die Umstrukturierung in eine Kapitalgesellschaft ist für uns ein sehr bedeutsamer Schritt in Richtung Kapitalmarkt", sagte Maria-Elisabeth Schaeffler, der der Konzern mit ihrem Sohn Georg gehört.

Damit treibt Schaeffler die Vorbereitung für die geplante Fusion mit Continental gemäß dem genannten Zeitplan voran. Erwartet wird, dass die beiden hoch verschuldeten Konzerne die Verschmelzung nun 2011 in Angriff nehmen. Für Schaeffler impliziert der Wechsel der Rechtsform einen tiefgreifenden Kulturwandel. Seit Jahrzehnten wurde der Konzern als Kommanditgesellschaft geführt - also als Personengesellschaft mit persönlicher Haftung der Eigner. Für einen Konzern mit zuletzt 7,3 Milliarden Euro Umsatz und 61.000 Mitarbeitern weltweit war dies ungewöhnlich.

Schaeffler hatte die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft zur Jahresmitte angekündigt. Davor waren einige hohe Hürden zu meistern. So arbeiteten die Anwälte monatelang daran, die Steuerbelastung für Georg Schaeffler zu minimieren, der 80 Prozent an der Gruppe hält. Die Problematik rührt vor allem daher, dass er in den USA lebt. Ob dieses Thema gelöst wurde, wollte ein Schaeffler-Sprecher nicht beantworten.

Auch bei der Finanzaufsicht Bafin musste Schaeffler eine Freigabe einholen. Grund ist, dass die Conti-Beteiligung von Schaefflers bisheriger Dachgesellschaft auf die GmbH übertragen wird und damit formal den Besitzer wechselt. Die Bafin befreite die Schaeffler GmbH am Montag von dem damit nötigen Pflichtangebot an die übrigen Conti-Aktionäre. Begründung: Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler üben auf die GmbH und die Obergesellschaft einen vergleichbaren Einfluss aus.

Mit der Umstrukturierung folgt Schaeffler auch dem Druck seiner Gläubiger. Diese forderten eine Öffnung des Konzerns und ordneten zudem dessen Kredite über 12 Milliarden Euro neu, um ihn fusionsfähig zu machen. Die operative GmbH, die mit Continental verschmolzen werden soll, trägt etwa 7 Milliarden Euro der Kredite. Die übrigen 5 Milliarden Euro verbleiben bei der Holding, die alle Anteile an der Schaeffler GmbH hält. Schaeffler hatte sich Ende 2008 mit dem feindlichen Übernahmeangebot für Conti verhoben. Doch auch Conti leidet seit dem Erwerb des Zulieferers VDO 2007 von Siemens unter hohen Schulden. Die Hannoveraner wollen seit Monaten eine Hochzinsanleihe begeben, um einen Teil ihrer Schulden abzulösen. Der Bond komme höchstwahrscheinlich Anfang nächster Woche im Volumen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Conti muss bis 2012 Schulden von 8 Milliarden Euro tilgen. Conti hatte 2010 schon mehrere Anläufe für die Anleihe gestartete, musste diese aber wegen der Marktturbulenzen immer wieder aufschieben.

Noch vergangenen Sommer war angekündigt worden, dass der Großteil der Conti-Anteile als Sicherheit für die Banken bei der Obergesellschaft verbleibt. Die Banken hätten direkt profitieren können, wenn die Conti-Aktien an der Börse an Wert gewinnen. Warum die Beteiligung nun doch komplett bei der GmbH angehängt wurde, dazu gab Schaeffler keinen Kommentar.

Teil des Wandels ist auch, dass Schaeffler erstmals einen mitbestimmten Aufsichtsrat mit 20 Mitgliedern erhält. Als Vertreter der Kapitalseite ziehen neben den beiden Schaefflers Metro-Chef Eckhard Cordes, Adidas-Finanzchef Robin Stalker, der frühere Schering-Chef Hubertus Erlen, der frühere Präsident des Autoverbands VDA, Bernd Gottschalk, Ex-Bertelsmann-Vorstand Siegfried Luther und Webasto-Chef Franz Josef Kortüm ein. Einige der Manager, darunter der frühere Deutsche-Bahn-Vorstand Otto Wiesheu, gehörten davor auch schon dem Beirat der Gruppe an.

Zum Zuge kommt jetzt auch Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Bullinger hätte im Frühjahr 2009 in den Conti-Aufsichtsrat gehen sollen. Damals setzte Schaeffler jedoch den eigenen Finanzchef Klaus Rosenfeld in dem Gremium der Hannoveraner durch.

© 2010 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews