Der Chef des Bonner Fotovoltaikkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, schlägt eine Senkung der Solarsubventionen vor. "Man sollte vorhandene Spielräume nutzen, um die Vergütungen für den Solarstrom weiter zu reduzieren", sagte der Gründer des deutschen Marktführers der Financial Times Deutschland (FTD). "Die Weltmarktpreise für Solaranlagen sind stark gefallen. Dem kann bei der Vergütung Rechnung getragen werden, um den Stromverbraucher nicht über Gebühr zu belasten."
Erstmals stellt damit ein deutscher Solarunternehmer die üppigen Einspeisevergütungen infrage. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert den Erzeugern von Solarstrom momentan über einen Zeitraum von 20 Jahren für jede Kilowattstunde Strom zwischen 32 und 43 Cent - das Fünf- bis Siebenfache des Börsenpreises für herkömmliche Elektrizität. Die Mehrkosten wälzen die Energieversorger auf die Stromverbraucher ab.
Brisanter Vorstoß
![]() Zoom Solarworld-Chef Frank Asbeck |
Mit seinem Vorstoß reagiert Asbeck auf die wachsende Kritik an den Subventionen. Verbraucherschützer, Energieexperten sowie Politiker von Union und FDP fordern Kürzungen um bis zu 30 Prozent. Nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung summiert sich die Förderung der Solarenergie bis 2013 auf 77 Milliarden Euro.
Der Vorschlag des Solarworld-Chefs hat erhebliche Sprengkraft - und bringt andere Hersteller in Erklärungsnot. Der Bundesverband Solarwirtschaft etwa lehnt es ab, die Subventionen stärker als im EEG vorgesehen zu senken. Das Gesetz schreibt derzeit eine jährliche Tarifsenkung für neue Anlagen von acht bis zehn Prozent vor.
Asbeck spricht sich nun dafür aus, die Vergütung für Solarstrom schneller abzuschmelzen. "Laut EEG kann diese Degression pro Jahr je nur um einen Prozentpunkt steigen", sagte der 50-Jährige. "Angesichts des guten Marktwachstums glaube ich aber, dass man mehrere solche Schritte auf einmal machen kann."
Kampf gegen Rivalen aus China
Den Solarboom auf deutschen Dächern würde auch eine Subventionskürzung um 15 Prozent nicht gefährden, glauben Branchenexperten. Schließlich können Endabnehmer ihre Solarmodule heute rund ein Viertel billiger einkaufen als zu Jahresbeginn. "Wir müssen in vier Jahren die Netzparität erreichen", forderte Asbeck. Dann werde Strom vom eigenen Dach für Privathaushalte billiger sein als Strom aus der Steckdose.
Mit ins EEG aufgenommen werden müssten Umwelt- und Sozialstandards, sagte der Solarworld-Chef. Nur so sei ein fairer Wettbewerb mit der Billigkonkurrenz aus China möglich, die deutschen Herstellern immer mehr Marktanteile abnimmt. "Ansonsten machen wir das Ganze zum Nutzen billiger Dumpingprodukte", so Asbeck. Es sei offensichtlich, dass die Chinesen nicht die deutschen Standards für Umwelt- und Arbeitsschutz einhielten. "Eine zwingende Umweltzertifizierung auf allen Wertschöpfungsstufen würde mehr Chancengleichheit bringen."
© 2009 ftd.de
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück























Diesen Artikel bookmarken bei...