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20.08.2010

Gehaltsentwicklung: Lohnfrage spaltet Experten

Von: Mathias Ohanian, Martin Kaelble und Laura Frommberg, Berlin
Gustav Horn findet die Käufe von Staatsanleihen durch die EZB richtig.
Zoom Gustav Horn findet die Käufe von Staatsanleihen durch die EZB richtig.
© dpa
Nach dem starken Wirtschaftswachstum im Frühling fordern erste Ökonomen höhere Löhne. Andere Stimmen mahnen zur Zurückhaltung. Drei Volkswirte geben eine Einschätzung.

Kaum eine wirtschaftspolitische Debatte birgt hierzulande mehr Sprengstoff als die Entwicklung der Löhne. Befeuert wird dieser Streit unter Politikern und Ökonomen jetzt vom sagenhaften Anstieg der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal. Das Bruttoinlandsprodukt legte mit mehr als zwei Prozent so stark wie nie seit der Wiedervereinigung zu.

Kein Wunder, dass Ökonomen bereits zusätzliche Lohnerhöhungen fordern. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger etwa plädiert dafür, dass ein Plus von durchschnittlich drei Prozent für deutsche Unternehmen durchaus zu stemmen sei. Nach einer ökonomischen Faustregel sollten die Löhne so stark steigen wie Produktivitätszuwachs plus Teuerungsrate. Daran gemessen liegt die Forderung Bofingers im Rahmen der volkswirtschaftlichen Lehrbücher. Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank liegt bei knapp zwei Prozent, der Produktivitätszuwachs bei etwas über einem Prozent.

Kritiker von Lohnerhöhungen lässt diese Rechnung weitgehend kalt - vor allem, weil der derzeitige Aufschwung als fragil gilt. Hinzu kommt, dass die Produktivität im Krisenjahr 2009 gesunken ist, weil die Unternehmen kaum Beschäftigte entlassen haben, so ihre Argumentation. Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, beispielsweise mahnt, dass zu starke Lohnsteigerungen die Chancen auf zusätzliche Produktionskapazitäten und zusätzliche Beschäftigung verbauen könnten. Dies zeigt, wie unterschiedlich die Meinungen zu diesem Thema ausfallen.

Neben der Frage der Verteilung sprechen nach Ansicht einiger Ökonomen aber noch weitere Argumente für Lohnsteigerungen. Der Binnenkonsum ist hierzulande beinahe schon chronisch schwach, die Wirtschaftsentwicklung hängt stark von den Exporten ab. Hätten die Deutschen mehr Geld in der Tasche, könnten sie den Konsum anschieben und der Konjunktur zusätzliche Impulse geben - ähnlich, wie es der französische Verbraucher bereits seit Jahren macht.

Der Lohnfindungsprozess wird allerdings von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestimmt. Volkswirte liefern dafür den theoretischen Rahmen. Die FTD hat zu dem kontroversen Thema drei Vertreter der Zunft befragt.

Sollen die Löhne in Deutschland jetzt steigen?

Der deutsche Boom weckt Begehrlichkeiten bei den Arbeitnehmern. Doch die Ökonomen streiten darüber, ob es der richtige Zeitpunkt für Lohnzuwächse ist.

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