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14.12.2011

Geplanter Zusammenschluss: Deutsche Reedereien sortieren sich neu

Von: Kathrin Werner, Patrick Hagen
Rickmers greift nach dem ersten Rivalen
Zoom Rickmers greift nach dem ersten Rivalen
© DPA/Bildfunk/Kay Nietfeld
Der Hamburger Erck Rickmers steht kurz vor einer Fusion mit dem Rivalen Komrowski. Geplant ist keine klassische Übernahme, sondern die Gründung einer Art Genossenschaftsreederei unter der Führung von E.R. Schiffahrt, erfuhr die Financial Times Deutschland.

Erck Rickmers greift nach dem ersten Rivalen. Wenige Wochen nach seiner öffentlichen Ankündigung, angeschlagene Reedereien unter dem Dach seines Unternehmens E.R. Schiffahrt zu versammeln, steht der Hamburger Reeder und SPD-Politiker nach Informationen der impulse-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland (FTD) kurz vor dem Zusammenschluss mit Komrowski.

Es geht um mehr als 50 Schiffe. Geplant ist keine klassische Übernahme, sondern die Gründung einer Art Genossenschaftsreederei unter der Führung von E.R. Schiffahrt - mit 106 Schiffen eine Branchengröße. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, hieß es in Branchenkreisen. "Zentrale Punkte sind aber noch nicht geklärt", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Nicht gebuchte Containerschiffe weltweit
Zoom Nicht gebuchte Containerschiffe weltweit

Das geplante Geschäft ist eines der ersten einer erwarteten Welle von Zusammenschlüssen unter deutschen Reedern. Banken, die nach Jahren der Krise die Geduld mit ihren hoch verschuldeten Schiffseignern verlieren, setzen kleinere und schwächere Reedereien unter Druck, sich Partner zu suchen. "Wir glauben, dass es eine Konsolidierung unter den Reedern geben wird, dieser Prozess hat bereits begonnen", sagte kürzlich Helmut Rundshagen, Experte für maritime Themen bei Ernst & Young. "Im nächsten Jahr wird es blutig", sagte ein Hamburger Reeder. "Wer eine Pleite verhindern will, muss sich mit den Großen zusammentun."

Rickmers will eine gemeinsame Plattform gründen, die seine und Komrowskis Schiffe bereedert - also etwa gemeinsam die Crews der Frachter organisiert. An der Plattform - der Genossenschaft - sollen sich Dritte beteiligen. Rickmers sei bereit, auf die Stellung als Alleingesellschafter seiner Reederei zu verzichten. Der traditionsreiche Name Komrowski soll erhalten bleiben. Zielgröße der Genossenschaft sind 200 bis 250 Schiffe. E.R. Schiffahrt und Komrowski kommentierten die Pläne nicht.

Rickmers und die anderen beteiligten Unternehmen sind Trampreeder. Sie vermieten ihre Schiffe an Linienreeder wie Hapag-Lloyd, die wiederum den Transport von Waren nach festen Fahrplänen organisieren. Deutsche Trampreeder kontrollieren zusammen zwar die weltgrößte Flotte von Containerschiffen, die Branche ist aber stark zersplittert: Im Schnitt haben die Reeder nur acht Frachter. Als stärkere Partner, denen sich die Kleinreeder anschließen können, kommen aus Bankensicht fast nur Erck Rickmers und die Hamburger Großreederei Peter Döhle in Betracht, hieß es.

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