Die Firmen der größten deutschen Getränkedynastie Eckes werden wieder unter einem Dach vereinigt. Nach Informationen der Financial Times Deutschland und des Wirtschaftsmagazins Capital übernimmt der Spirituosenunternehmer Harald Eckes-Chantré die Macht beim Fruchtsafthersteller Eckes-Granini. Eckes-Chantré besitzt bislang 23 Prozent an dem Konzern. Nun geben seine Cousins Michael Eckes und Peter Eugen Eckes ihre Anteile von je zwölf Prozent ab. Weitere Gesellschafter sind Haralds Schwester Heidrun sowie zwei Stiftungen, an denen Harald wiederum Anteile hält. Den Informationen zufolge zahlt Harald seinen beiden Vettern für deren Anteilspaket zusammen rund 200 Millionen Euro.
Der mittlerweile 70-jährige Harald Eckes-Chantré führt damit das zwischenzeitlich zersplitterte Imperium seines Vaters Ludwig Eckes wieder zusammen. Dabei hatte sich Harald nach dessen Tod Mitte der 80er-Jahre zunächst erfolgreich von der Familienfirma emanzipiert: So übernahm er 1991 auf eigene Rechnung für einen symbolischen Preis die Mehrheit am ostdeutschen Sekthersteller Rotkäppchen. Auch dank der sogenannten Ostalgiewelle erwies sich das damals von Experten belächelte Investment als Glücksgriff: Das nach der Wende noch darniederliegende Unternehmen erholte sich - und diente Eckes-Chantré als Fundament für den Kauf weiterer bekannter Spirituosenmarken. So konnte sich Rotkäppchen Anfang 2002 zunächst Mumm, Jules Mumm und MM Extra einverleiben. Kurz darauf schnappte sich Eckes-Chantré dann die Luxusmarke Geldermann.
Der größte Coup - und der erste Schritt zur Wiedervereinigung von Eckes unter seiner Ägide - gelang dem mächtigsten deutschen Getränkeunternehmer schließlich 2006: Da schlug seine Familie das Spirituosengeschäft los, um sich mit Eckes-Granini allein auf Fruchtsäfte zu konzentrieren. Rotkäppchen griff zu - und erweiterte das Portfolio damit um Marken wie Mariacron oder Chantré (der Mädchenname von Haralds Mutter).
Mit der Rotkäppchen-Holding (geschätzter Umsatz 2008: rund 750 MillionenEuro) und der hierzulande marktbeherrschenden Fruchtsaftgruppe Eckes-Granini (gut 900 Millionen Euro Umsatz) kontrolliert Eckes-Chantré künftig ein Getränkereich, das für deutsche Verhältnisse ohne Beispiel ist. Wie weit er sich auch in das tägliche Geschäft einschalten wird, ist unklar. Pikant: Vater Ludwig Eckes, für Harald eine Art Überfigur, hatte seinem Filius die Führung des Unternehmens einst nicht zugetraut. So heißt es jedenfalls im Umfeld des Familienkonzerns.
Zur Hauptversammlung im Juli werden die Cousins Michael und Peter Eugen den Aufsichtsrat von Eckes-Granini aller Voraussicht nach verlassen. Offiziell wollte sich keiner der an dem Deal Beteiligten zu den Informationen äußern.
Zum Thema
© 2010 capital.de
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück





















Diesen Artikel bookmarken bei...