Beim Osnabrücker Großhändler Wilhelm Koch lebt man von der richtigen Ausstattung: Die 400 Angestellten verkaufen Heizthermen, Klimaanlagen und Dunstabzugshauben an Haustechniker und Privatleute. Und das soll bald noch schneller und unkomplizierter vonstattengehen. 70 Mitarbeiter sind neuerdings mit Internethandys der Marken Blackberry und Apple iPhone unterwegs.
Damit rufen sie unterwegs E-Mails ab und aktualisieren ihren Kalender. Bis jetzt. Denn in Kürze sollen sie über eine mobile Applikation – kurz App genannt – auch auf die Koch’sche Kundendatenbank zugreifen können. „Kurz bevor sie in das Geschäft eines Kunden gehen, können sie zum Beispiel noch rasch dessen Umsatz oder die letzte Bestellung nachschlagen“, erklärt Hans Georg Poske, IT-Leiter von Wilhelm Koch. Im nächsten Schritt sollen sich die Außendienstler sogar die komplette Kundendatenbank aufs iPhone laden. „So eine App gibt es bisher noch nicht fertig zu kaufen“, sagt Poske. Er verhandelt aber bereits mit einem Softwareentwickler, der auch das aktuelle Programm geliefert hat.
Mobile Warenwirtschaftssysteme
Mit dieser Technik liegt Mittelständler Koch im Trend. Branchenbeobachter zählen Smartphones und Apps zu den großen IT-Themen des Jahres 2010. Die intelligenten Handys mit Touchscreen, Kalender, E-Mail-Programm und Textverarbeitung werden für Unternehmer jetzt erst richtig interessant. Denn es gibt mehr und mehr Anwendungen für die mobile Arbeit. Schon heute ist das Angebot enorm und reicht von elektronischen Fahrtenbüchern bis hin zur grafischen Datenanalyse.
Der Markt für mobile Applikationen wird in diesem Jahr rasant wachsen, erwartet US-Marktforscher Gartner: Das Geschäft mit den Apps soll weltweit einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro erreichen. Im vergangenen Jahr waren es noch 3,1 Milliarden Euro. Der Boom passt in die Zeit: Durch die Krise hat sich in den Unternehmen offenbar ein Investitionsstau gebildet. 44 Prozent der deutschen Firmen planen laut einer Studie des Beratungshauses Accenture, in diesem Jahr zusätzliches Geld in ihre Informationstechnik zu stecken. Die nötige Ausrüstung, vom 2. bis zum 6. März auf der größten Computermesse der Welt, der Cebit in Hannover, zu besichtigen, macht das digitale Nervensystem der Betriebe nicht nur mobiler. Sie lässt Mitarbeiter auch gemeinsam auf einzelne Geräte zugreifen: Mobility und Virtualisierung heißt das im Fachjargon.
Mitarbeiterblogs bei Mittelständlern
Daneben spielt Business-Intelligence eine zunehmend wichtige Rolle. Denn nach der Rekordrezession wappnen sich Unternehmer mit neuen Analysewerkzeugen, um künftig die Auf- und Abwärtstrends noch schneller zu erfassen. Und schließlich entwickeln sich die sozialen Medien vom Freizeitspaß zum harten Geschäftsthema: Die ersten Mittelständler richten Mitarbeiterblogs ein, lassen Kollegen über Kundenprojekte twittern oder sammeln Firmenwissen in Wikis. Neben diesen Trends werden Computer, die weniger Energie verbrauchen und so den CO2-Ausstoß senken, ein Riesenthema sein – das Schlagwort lautet Green IT.
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