01.04.2010

Hafenbetreiber: HHLA kriegt die Kurve nicht

Die geografischen Vorteile Hamburgs haben sich in der Krise reduziert
Zoom Die geografischen Vorteile Hamburgs haben sich in der Krise reduziert
© ddp
Die schwerste Schifffahrtskrise seit Erfindung des Containers wird im Hamburger Hafen auch 2010 weiter toben. Die HHLA rechnet im laufenden Jahr mit noch weniger Umsatz als 2009.

Der Hafenbetreiber HHLA rechnet für das Jahr mit einem Umsatz noch unter dem des Vorjahrs, der bereits um rund ein Viertel auf 990,7 Millionen Euro eingebrochen war. Analysten waren enttäuscht: "Das hat der Markt definitiv nicht erwartet", schrieb Lars Slomka von der Deutschen Bank. Der Aktienkurs fiel um 9,4 Prozent.

"Die Schifffahrtskrise ist nicht überwunden", sagte HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters am Mittwoch. Die Erholung des Welthandels sei schwach und sehr fragil. Außerdem gebe es Überkapazitäten bei den Häfen Nordeuropas. Deshalb baut der Konzern bis Ende des Jahres weitere 250 Arbeitsplätze ab.

Erfüllt sich die Prognose, nimmt der Hafen an der Erholung in der maritimen Wirtschaft kaum teil. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere positive Signale aus der Branche gegeben: Der wichtige chinesische Export stieg fast auf Vorkrisenniveau, die Zahl der Transporte vor allem zwischen Asien und Europa schnellte in die Höhe, erste Reedereien wie Neptun Orient Lines (NOL) aus Singapur nahmen stillgelegte Frachter wieder in Dienst.

Die HHLA spürte dagegen seit Jahresanfang lediglich eine "Stabilisierung auf niedrigem Niveau, aber noch keine durchgreifende Erholung". Der Hamburger Hafen profitiert vom Aufschwung weniger stark als Wettbewerber wie Rotterdam und war von der Krise heftiger betroffen. Der Grund: Hamburg ist als Drehscheibe für den Warenaustausch zwischen Asien und Osteuropa besonders stark von den Volkswirtschaften in Russland und im Baltikum abhängig. Von deren Boom hat der Hafen lange profitiert, nun leiden sie stark unter der Krise und erholen sich nur langsam. "Die geografischen Vorteile Hamburgs haben sich in der Krise reduziert", sagte Peters. Zudem haben Rotterdam und Antwerpen einen Preiskampf initiiert, bei dem Hamburg nicht mithalten kann.

Beim Containerumschlag rechnet der Konzern zwar mit einem Zuwachs im niedrigen einstelligen Prozentbereich, dieser werde aber wegen des Preisdrucks nicht auf Umsatz und Gewinn durchschlagen. Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll im zweistelligen Bereich liegen. Das hatte der Konzern auch 2009 geschafft: Trotz des Ebit-Einbruchs von 55 Prozent auf 160,2 Millionen Euro lag die Marge noch bei 16,2 Prozent.

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Wegen des Gewinneinbruchs schüttet der börsennotierte Teilkonzern Hafenlogistik nur noch 40 Cent je Aktie als Dividende aus. Im Vorjahr war es 1 Euro. Die Hafenlogistik steuert rund 97 Prozent zum Konzernumsatz bei. Der Stadt Hamburg, die 68,5 Prozent der Aktien hält, überweist die HHLA für 2009 51 MillionenEuro als Dividende und rund 40 Millionen Euro an Steuern. Das Sparprogramm, das der Konzern Ende 2008 begonnen hatte, wird 2010 fortgesetzt. 1000 Mitarbeiter in Hamburg bleiben in Kurzarbeit. Außerdem verschiebt die HHLA 600 Millionen Euro an Investitionen auf die Zeit nach 2012.

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