Als im Februar dieses Jahres der Feldversuch für übergroße Lkw im hohen Norden startete, freute sich Henning Voigt. Der Geschäftsführer der Spedition Voigt aus dem schleswig-holsteinischen Neumünster durfte an dem Test teilnehmen und erhielt die Genehmigung, zwei Langlaster einzusetzen. Er leitet damit eins von zwei Fuhrunternehmen, die die umgangssprachlich Gigaliner genannten Fahrzeuge im Einsatz haben.
Auf zwei festgelegten Strecken transportieren Voigts Fahrer seit sieben Monaten Fracht für ihre Kunden. "Wir sind sehr zufrieden", sagt Voigt zum bisherigen Testverlauf: "Es sind keine Unfälle passiert, auch durch die Kreisverkehre kommen wir problemlos und vor allem sparen wir sehr viel Dieselkraftstoff."
Diese Begeisterung teilt Heiner Rogge, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV): "Wir würden beim Einsatz der Gigaliner erhebliche Kosten sparen, weil wir weniger Lkw, Fahrer, Fuhren und Benzin benötigen."
Während die Fuhrunternehmen jubeln, sind die bis zu rund 25 Meter langen und bis zu 60 Tonnen schweren Laster politisch höchst umstritten. Bisher dürfen reguläre Lkw hierzulande maximal 18,75 Meter messen und 40 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht nicht überschreiten. Die überlangen Lkw - auch Gigaliner, Eurocombis, Ecocombis oder Megaliner genannt - gehören in anderen Ländern wie Finnland und Schweden längst zum Straßenbild.
In Deutschland haben sich die Verkehrsminister der Länder vor drei Jahren jedoch gegen die Einführung entschieden. Die Fahrzeuge seien ein zu hohes Risiko für die Verkehrssicherheit und könnten die Tragfähigkeit von Brücken überfordern - mit hohen Folgekosten für den Steuerzahler. Ausnahmegenehmigungen gibt es nur im Rahmen der Pilotversuche, die in einigen Bundesländern stattgefunden haben und noch immer stattfinden.
"Megatrucks sind klima- und verkehrspolitisch kein Allheilmittel"
Zwar gibt es zahlreiche Studien, die diese Feldversuche begleitet haben, über die Gesamtheit der Auswirkungen der Riesen-Lkw auf den Straßenverkehr, die Umwelt und mögliche Gefährdungen herrscht jedoch immer noch Uneinigkeit.
So kommt eine Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen zusammen mit dem TÜV Rheinland, die während des Feldversuchs in Nordrhein-Westfalen entstand, zum Ergebnis, dass Eurocombis "umweltfreundlicher und sicherer" als normale Brummis seien, da sie den Experten zufolge weniger Verkehr und damit weniger CO2 erzeugten als die vergleichbare Menge normaler Lkw.
Dagegen zieht eine Untersuchung des Bundesverkehrsministeriums ganz andere Schlüsse: Beim Einsatz der Megatrucks komme es zu Verkehrsverlagerungen von der Schiene zurück auf die Straße. Der Straßenverkehr würde "keine nennenswerte Entlastung, gegebenenfalls sogar noch eine weitere Belastung" erfahren, heißt es in der Analyse.
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