Stellen Sie sich vor, Sie finden einen USB-Stick, auf dem steht "Musik". Oder "Neue Filme". Mal ehrlich, würden Sie der Versuchung widerstehen, ihn einfach mal einzustöpseln? Nein? Dann könnte es sein, dass Sie Ihrem Computer einen Virus unterschieben. "Wir werden leider des Öfteren mit solchen oder ähnlichen Fällen konfrontiert", sagt Wolfgang Otto, Geschäftsführer der IT-Beratung "Next Move" aus Schenefeld bei Hamburg. "Das Sicherheitsbewusstsein ist immer noch zu niedrig, die Gefahren sind in den letzten Jahren rasant gestiegen", erklärt der Sicherheitsexperte.
Erstaunlicherweise sind weder Diebstahl, Spionage, Hackerangriffe oder Virenbefall noch Hardware-Schäden oder höhere Gewalt die häufigsten Ursachen für Datenverluste. Die Meisten IT-Desaster werden schlichtweg durch Unachtsamkeit und Bedienungsfehler hervorgerufen. 87 Prozent aller Speicher-Crashs sind auf menschliches Versagen zurückzuführen, ergab eine Studie des IT-Unternehmens Kroll Ontrack, das auf Datenrettung spezialisiert ist.
Halb so wild, mag mancher denken, wenn vorher regelmäßig Backups angefertigt wurden. Das ist jedoch längst nicht selbstverständlich. Der Software-Hersteller Arconis fragte 600 europäische Mittelständler und fand heraus, dass 19 Prozent von ihnen noch immer auf jegliche Sicherung verzichten.
Dabei können Datenverluste empfindliche Konsequenzen haben: Sind wichtige Informationen nicht mehr verfügbar, ist das unter Umständen existenzbedrohend. Doch auch wenn es nicht zum Super-Gau kommt, sind Datenpannen stets eine brisante Angelegenheit. Vergangenes Jahr wurde das Bundesdatenschutzgesetz erneut verschärft. Gehen personenbezogene Daten verloren, also beispielsweise die Kundenkartei, muss das Unternehmen die Betroffenen und die Aufsichtsbehörde informieren. "Der Imageschaden ist oftmals gewaltig, denn die Öffentlichkeit ist beim Thema Datenschutz mittlerweile sehr sensibilisiert", sagt Frank Giebel, IT-Compliance-Berater aus Eschborn bei Frankfurt am Main.
Freeware reicht aus für den Basisschutz
Weniger öffentlichkeitswirksam, aber nicht minder ärgerlich für den Unternehmer sind Verstöße gegen die "Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen" der Finanzverwaltung. Demnach müssen alle Daten, die in irgendeiner Form "steuerlich relevant" sind, den Prüfern zugänglich gemacht werden können. Dazu zählen selbst E-Mails. Wer sie nicht revisionssicher archiviert, riskiert Bußgelder.
Dabei müssen kleine Unternehmen oder Freiberufler, die nur wenige PC verwalten, noch nicht einmal zwingend auf die teure Hilfe eines IT-Dienstleisters zurückgreifen. Entsprechende Backup-Software ist im Einzelhandel erhältlich und auch für Laien bedienbar. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik listet auf seiner Homepage (www.bsi-fuer-buerger.de) sogar Freeware auf, also kostenlos herunterladbare Programme, die für einen ersten Basisschutz genügen. Besonders sensible, geschäftskritische Daten sollten nicht nur gesichert, sondern auch verschlüsselt werden. Auch hier gibt es eine Vielzahl an Software. Unter den kostenlos nutzbaren Programmen ist TrueCrypt das bekannteste.
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