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19.01.2012

Insolvenzverfahren: Manroland wird zerlegt

Produktionshalle von Manroland
Zoom Produktionshalle von Manroland
© FTD.de/manroland
Der Hersteller von Druckmaschinen wird in drei Teile aufgespalten. Die mittelständische Possehl-Gruppe übernimmt den Augsburger Standort. Von den 4700 Arbeitsplätzen in Deutschland fallen voraussichtlich 2200 weg. Das Land Hessen denkt über eine Bürgschaft nach.

Der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland bleibt in deutscher Hand, wird aber zerlegt. Den Zuschlag erhielt nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses die Lübecker Possehl-Gruppe. Dies teite Insolvenzverwalter Werner Schneider mit. Der Preis wurde nicht genannt. Das Konzept ist mit einem massiven Stellenabbau verbunden, in Deutschland werden voraussichtlich 2200 der 4700 Arbeitsplätze gestrichen.

Manroland leidet - wie die gesamte Branche - unter dem Internetboom, schreibt seit Jahren rote Zahlen und musste nach einem weiteren Auftragseinbruch Ende November Insolvenz anmelden. Die bisherigen Eigentümer Allianz und MAN wollten keine weitere Geldspritze mehr geben, haben aber 24 Mio. Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften zugesagt. Erst am Dienstag hatte der Konkurrent und Weltmarktführer Heidelberger Druck angekündigt, 2000 Stellen abzubauen.

Am härtesten trifft es den Manroland-Standort Offenbach, wo rund 1000 Stellen gestrichen werden. Das Werk, in dem Bogendruckmaschinen hergestellt werden, soll vom Management und einem nicht genannten Investor saniert werden. Die Landesregierung in Hessen zeigte sich prinzipiell offen für eine Landesbürgschaft. Sobald ein anderer Investor gefunden ist - im Gespräch sind Chinesen - will Schneider aussteigen. In Augsburg sollen bis zu 700 Stellen wegfallen.

Langfristiges Konzept machte den Unterschied

Insolvenzverwalter Schneider zeigt sich dennoch erfreut über das Ergebnis: "Es war unser gemeinsames Ziel, das Unternehmen an Investoren weiter zu geben, die an einer langfristigen und eigenständigen Fortführung des Unternehmens interessiert sind". Possehl sicherte zugleich langfristige Lieferbeziehungen mit dem Werk im sächsischen Plauen zu, das vorerst vom Management und vom Insolvenzverwalter als neuen Eigentümern fortgeführt wird. Diese Lösung stelle eine Auslastung sicher, und eine spätere Beteiligung von Possehl am Plauener Werk sei in Aussicht, sagte Schneider.

Die Possehl-Gruppe ist ein Mischkonzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen. Sie machte im vergangenen Jahr rund rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 9300 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland.

Das Unternehmen war der Favorit der Arbeitnehmervertreter von der IG Metall. "Damit ist ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert", sagte Vorstandsmitglied Jürgen Kerner nach der Entscheidung. Nun müssten sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte Plauen und Offenbach tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden. Die Menschen ohne Perspektive bei Manroland dürften nicht im Regen stehen gelassen werden.

Das Unternehmen war der Favorit der Arbeitnehmervertreter von der IG Metall. "Damit ist ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert", sagte Vorstandsmitglied Jürgen Kerner nach der Entscheidung. Nun müssten sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte Plauen und Offenbach tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden. Die Menschen ohne Perspektive bei Manroland dürften nicht im Regen stehen gelassen werden.

Leer geht nun der US-Investor Platinum Equity aus, der Manroland komplett kaufen wollte und nach Informationen aus Finanzkreisen rund 100 Mio. Euro bezahlen wollte. Platinum habe aber kein Beschäftigungskonzept gehabt, sagte Schneider. Auch die IG Metall hatte eine langfristige Lösung mit dem US-Finanzinvestor bezweifelt. Bei Possehl setzen die Gewerkschafter auf ein langfristiges industrielles Interesse.

Quelle: ftd.de
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