Seit Schaeffler im Juli 2008 die Attacke auf den drei Mal so großen DAX-Konzern Continental startete, ist bei dem verschwiegenen Familienkonzern kaum etwas beim Alten geblieben. Nur die Schotten gegenüber der Öffentlichkeit hielten wie die Jahrzehnte davor dicht. Mediale Störfeuer ließ Schaeffler regelmäßig an sich abprallen. Über zwei Jahre lang lehnte Schaeffler-Chef Jürgen Geissinger alle Interviewwünsche ab. Nun stellt er sich erstmals Fragen der Financial Times Deutschland (FTD). Der Manager, der gern als aufbrausend beschrieben wird, beantwortete sie geduldig und ruhig.
FTD Vergangene Woche haben Sie zum ersten Mal einen Halbjahresbericht der Presse vorgestellt. Wie weh hat das getan?
Jürgen Geißinger Ganz im Gegenteil, es war eine interessante Veranstaltung: Wir sind jetzt eine Kapitalgesellschaft, da gehört die Außendarstellung zu unseren Aufgaben. Viele glauben immer noch, Schaeffler sei nur ein Hersteller von Wälzlagern. Wir fertigen aber auch viele andere innovative Produkte. Wir sind international, haben eine Mannschaft von Spezialisten. Wir bedienen alle Branchen, sind Marktführer im Motor und in Getrieben. Wir haben immer gut Geld verdient, haben mit Ausnahme von 2009 über Jahre immer zweistellige operative Margen erwirtschaftet. Es geht aber weit mehr als nur um Zahlen. Das wollten wir zeigen.
FTD Als GmbH müssten Sie aber keinen kompletten Zwischenbericht veröffentlichen. War das freiwillig?
Geißinger Natürlich! Wir sind noch nicht am Kapitalmarkt. Aber wenn wir das schon machen, dann richtig und voll umfänglich. Das ist für uns Teil einer fortschrittlichen, kapitalmarktorientierten Corporate Governance. Wenn wir wollen, können wir das auch.
FTD Die Öffnung ging doch kaum von Ihren Gesellschaftern Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler aus? Haben Ihre Banken Druck gemacht?
Geißinger Unser Wandel ist mit den Gesellschaftern abgestimmt und von ihnen gewollt. Von Seiten unserer Banken gab es keinen Druck, wir haben auch keinerlei Verpflichtung. Unsere Kreditgeber sind aber angetan von den Ergebnissen, die wir hingelegt haben.
FTD Ist der Grund Ihrer Transparenz-Offensive nicht vielmehr die öffentliche Wahrnehmung, dass Sie sich mit dem Kauf des Continental-Konzerns überhoben haben und jetzt eine Fusion auf dessen Kosten anstreben?
Geißinger Das letztere trifft sicherlich nicht zu. Wir wollen die überzeugende Logik in der Zusammenarbeit beider Unternehmen herausstellen. Wir ergänzen uns im Automotive-Bereich bestens und schaffen allein daraus viel Potenzial. Etwa beim Thema Hybridantrieben: Da gibt es zum Beispiel ein Schaeffler-Elektroauto, denn wir stellen auch Elektromotoren her.
FTD Schaeffler hat vergangenen Herbst aber doch die dringend notwendige Kapitalerhöhung bei Conti verzögert.
Geißinger Das stimmt nicht. Die Frage war damals vielmehr, ob die Börse dafür schon aufnahmefähig ist.
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