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13.10.2010

Investitionen ins Unternehmen: Kredite werden billiger

Von: André Kühnlenz, Frankfurt, Mathias Ohanian und Martin Kaelble, Berlin

© Getty Images
Bankenvolkswirte sagen der deutschen Wirtschaft einen kräftigen Investitionsschub voraus. Ausrüstungsinvestitionen könnten demnach 2011 zweistellig wachsen. Unternehmen sollten keine Probleme mehr haben an Kredite zu kommen.

Die hiesigen Firmen dürften im kommenden Jahr 15,5 Prozent mehr für neue Maschinen und Anlagen ausgeben als 2010, schätzen die Ökonomen der Commerzbank in ihrer gestern vorgestellten Prognose. Das wäre das größte Plus seit der Wiedervereinigung. Die WestLB rechnet für 2011 mit einem Plus der Ausrüstungsinvestionen um 11,5 Prozent. Erleichternd für die deutschen Firmen kommt hinzu, dass sich die Kreditbedingungen spürbar verbessert haben. Dies ergab eine Blitzumfrage der KfW-Bankengruppe, die heute veröffentlicht wird.

Behalten diese Ökonomen recht, dürfte die deutsche Wirtschaft mit Riesenschritten den drastischen Rückgang von 2009 aufholen. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 verfielen die Unternehmen weltweit in eine Schockstarre. Im vergangenen Jahr brachen die Ausrüstungsinvestitionen um fast 23 Prozent ein. Nach Einschätzung der Commerzbank-Experten wären sie dann Ende 2011 etwa wieder auf Vorkrisenniveau.

Mit dieser Einschätzung sind die Bankenvolkswirte die großen Optimisten unter den Konjunkturexperten. Im Schnitt erwarten die Prognostiker hierzulande ein Investitionsplus von nur etwa sechs Prozent im kommenden Jahr. Andreas Rees, Deutschland-Chefökonom von Unicredit, sagt sogar nur vier Prozent voraus. "Dennoch muss man zweifellos sagen, dass die Rahmenbedingungen für Investitionen grundsätzlich gut bleiben", sagt er. So sieht es auch Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank. "Wir rechnen mit einer deutlichen Verbreiterung des Aufschwungs dank eines stärkeren Konsums - aber eben auch dank starker Investitionen", sagt er.

Nach Einschätzung von Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, werden im kommenden Jahr die niedrigen Zinsen und die steigende Kapazitätsauslastung die Investitionen kräftig stimulieren. Die Maschinen und Anlagen seien bereits jetzt wieder so stark ausgelastet wie im langjährigen Durchschnitt.

Der Nachfrageboom führt schon jetzt zu erhöhten Erweiterungsinvestitionen bei deutschen Firmen. Der Autokonzern Volkswagen hat Anfang der Woche angekündigt, in den Ausbau seiner Fertigungsanlagen für den Geländewagen Tiguan in Wolfsburg und Kassel zu investieren. In Wolfsburg sei dafür ein hoher zweistelliger Millionenbetrag geplant. Die Erholung der Unternehmensausgaben dürfte von den stark steigenden Gewinnen der Firmen getragen werden, sagte Commerzbank-Chefökonom Krämer gestern in Frankfurt.

Hinzu kommt, dass sich die Finanzierungsbedingungen spürbar verbessert haben, wie die Blitzumfrage der KfW-Bankengruppe unter wichtigen Wirtschaftverbänden zeigt. Demnach beklagte im August keine einzige Branche mehr, dass es für die Firmen in den drei Monaten zuvor schwieriger geworden sei, an Investitionskredite zu kommen. Im April berichteten noch 24 Prozent der Verbände von Schwierigkeiten. "In der Finanzierung der Unternehmen ist eine Trendwende erkennbar", sagt KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch. Gestützt wird seine Aussage auch von der Erwartung der Verbände. Ebenfalls kein einziger rechnet mit schlechterem Zugang zu neuen Darlehen zumindest bis Dezember.

Irsch blickt zudem bereits auf dieses Jahr deutlich optimistischer als andere Konjunkturexperten. Er erwartet einen kräftigen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 3,6 Prozent. Commerzbank-Ökonom Krämer sagt für 2010 ein deutliches Plus von 3,3 Prozent voraus.

© 2010 ftd

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