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02.11.2010

Konferenz und Preisverleihung: Turnarounder des Jahres 2010

Von: Katja Michel und Antonia Götsch
Jurymitglied Lutz Mackebrandt vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater
Zoom Jurymitglied Lutz Mackebrandt vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater
© Tom Maelsa
Selten können Unternehmer mehr bewirken als in der Krise. Der Betriebsrat zieht bei Kürzungen mit, die Führungskräfte sehen ein, dass Strategie und Produkte verändert werden müssen. In Berlin sprachen Unternehmer auf der Turnarounder-Konferenz von impulse offen über ihre schwersten Momente und besten Lösungen.

"Jeder, der Erfolg hat, kennt auch Situationen, in denen es ganz eng wird", sagt Dirk Roßmann. Der Gründer der gleichnamigen Drogeriekette war Ende der 90er-Jahre mit seinem Unternehmen in die Krise geraten. Er hatte auf den Umsatz geachtet, nicht so sehr auf die Margen. Und sich dazu auch noch verspekuliert "Ich habe gezockt an der Börse, gewonnen und verloren, darunter hat das Unternehmen gelitten." Heute verzeichne Rossmann wieder Zuwachsraten von 14 Prozent, so der Unternehmer. Jedes Jahr würden 200 neue Filialen eröffnet.

Die Wende kam 1997: Um seine Drogerien aus der Krise zu führen, erweiterte Roßmann das Sortiment und führte Eigenmarken ein. Diese Artikel machen heute 30 Prozent des Gewinns aus. Statt in schweren Zeiten Personal abzubauen, gründete Roßmann ein Seminarzentrum, eine Mitarbeiterzeitung und charterte auf dem Höhepunkt der Krise gar zwei Boeings für seine 350 Filialleiter, um mit ihnen nach Paris ins Euro Disneyland zu fliegen. Kosten: 800.000 D-Mark. Viele erklärten ihn damals für komplett verrückt. Aber "das Geld war gut angelegt", sagt Roßmann. Seine Mannschaft zog mit.

Die Mitarbeiter bei der Restrukturierung einzubeziehen - das war für alle Unternehmer auf der impulse-Konferenz "Strategien für erfolgreiche Turnarounds", die von den Sponsoren BDO und Commerzbank unterstützt wurde, ein wichtiges Thema. "Die Mitarbeiter waren am Anfang sehr ängstlich und reserviert, erst nach einigen Wochen sind sie aufgetaut, und zwar mit dem Umzug ins neue Gebäude", berichtete Joachim Richter, neuer Inhaber der Nähmaschinenfirma Pfaff.

Richter hat das Traditionsunternehmen 2008 aus der Insolvenz übernommen und strategisch neu ausgerichtet. "Im neuen Gebäude schien die Sonne und die Mitarbeiter begegneten einem freundlichen Chef." Die alten Produktionsstätten hatte Richter nicht übernommen, sie seien zu teuer im Unterhalt gewesen - und nicht mehr zeitgemäß. Der Unternehmer sieht diese Entscheidung heute als einen zentralen Punkt für den Erfolg seines Turnarounds.

Um das Vertrauen der Mitarbeiter nicht zu verlieren, muss die Führungsspitze Verlässlichkeit zeigen. "Man muss einmal eine Zahl nennen und diese dann auch einhalten", sagte Robert Hartel. Er übernahm im Jahr 2001 das Traditionsunternehmen Zwiesel Kristallglas in einem Management Buyout - und musste viele Altlasten schultern. Damals erwirtschaftete der Konzern Schott mit der Glassparte 36 Mio. Euro Verlust. Hartel kündigte die Kürzung von rund 570 auf 435 Stellen an und zog diese dann durch. "Aber wir strichen keine Stelle mehr, sonst hätten wir das Vertrauen verloren."

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Quelle: impulse
© 2010 impulse.de

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