Weder die Schuldenkrise in der Euro-Zone noch das Sparpaket dürften die Erholung der deutschen Konjunktur ernsthaft gefährden. Zu dieser Einschätzung kommt der FTD-Schattenrat aus Chefvolkswirten und Konjunkturchefs führender Institute und Banken.
Die Prognosen der Konjunkturexperten erhöhten sich im Schnitt gegenüber der letzten Umfrage im Mai: Für 2010 rechnen sie in Deutschland nun durchschnittlich mit 2,1 statt wie zuvor mit 1,9 Prozent Wachstum, für 2011 mit 1,7 statt 1,6 Prozent.

Nach der Pleite der Lehman Brothers im September 2008 waren Konjunkturindikatoren eingebrochen, Unternehmen horteten Liquidität, im Export kam es weltweit wegen der Unsicherheit zu einer Schockstarre. Dies wurde damals zunächst unterschätzt. Jüngst hatte das wachsende Misstrauen zwischen den Banken Sorgen vor einem ähnlichen Effekt aufkommen lassen.
Dass sich nach dem Griechenland-Schock der vergangenen Wochen derzeit wieder eine Vertrauenskrise zusammenbraut, bezweifeln aber die meisten der FTD-Schattenräte. Das Risiko für ein Déjà-vu stufen drei Viertel der Befragten als eher gering ein.
"Die Banken sind jetzt besser auf solche Schocks vorbereitet, die Kreditmärkte werden nicht wie damals kollabieren", glaubt Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank. Zudem dürften die Rückwirkungen einer Krise in den Staatsfinanzen auf den Unternehmenssektor weniger gravierend sein als die eines Zusammenbruchs einer Bank, sagte Roland Döhrn, Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).

Allerdings gibt es auch Warnrufe: "Gemessen an den gängigen Stressindikatoren des Bankensystems ist derzeit das wechselseitige Misstrauen unter den Finanzintermediären ähnlich, wenn nicht sogar - gemessen am Volumen der Übernachteinlagen - ausgeprägter als in den Wochen nach dem Konkurs von Lehman Brothers", sagte Bert Rürup von der Beratungsfirma Maschmeyer Rürup. Dennoch rechnet auch er nicht mit Konsequenzen wie in den Monaten nach der Lehman-Pleite. "Denn die Folgen der Pleite waren globaler Natur, die Folgen der fiskalischen Krise in Griechenland, Portugal oder Spanien sind dagegen weitgehend auf den Euro-Raum begrenzt." Heute wüssten Unternehmen und Haushalte zudem, dass die Politik keinen weiteren Konkurs wichtiger Finanzintermediäre zulassen wird. Das Vertrauen dürfte somit gefestigter sein.
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