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04.01.2011

Krisenbewältigung: Deutschlands älteste Werft ist wieder auf Kurs

Von: Kathrin Werner
Rüdiger Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sietas Gruppe
Zoom Rüdiger Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sietas Gruppe
© FTD
Sietas stand vor der Pleite, die Eignerfamilie musste Millionenverluste hinnehmen. Dann krempelte Ex-Airbus-Manager Fuchs den Schiffshersteller um. Inzwischen ist die Stimmung so gut wie seit Jahren nicht. Management und Belegschaft können erste Erfolge bejubeln.

10.30 Uhr, die Sirene heult über das Gelände. Zeit für eine frühe Mittagspause auf der Sietas Werft in Hamburg-Neuenfelde. Die Arbeiter werkeln schon seit sieben Uhr am letzten Schliff für den Schwergutfrachter. Bald wird ausgedockt.

Ein paar letzte Pinselstriche, schnell noch das Gerüst um den Bug abbauen, dann ist der rot-grüne Ozeanriese fertig für seinen ersten Wasserkontakt und die Werftarbeiter für ihr Mittagessen. Sie schlittern über den dünnen Schnee auf dem Deck, schäkern und lachen. Jeder ruft dem Chef ein "Moin" zu. Vor ein paar Tagen haben alle gemeinsam einen neuen Auftrag gefeiert, mit Bratwurst und Cola. Die Stimmung ist so gut wie seit Jahren nicht mehr.

Rüdiger Fuchs kennt die Schiffbauer eigentlich nur mit trüber Laune. Seit dem 1. März 2008 ist er der Boss von Deutschlands ältester Werft. Vor ihm hatte sie neun Generationen lang Chefs mit dem Nachnamen Sietas. Fuchs übernimmt in der tiefsten Krise seit Gründung der Werft vor 375 Jahren: Aufträge fehlen, die Eignerfamilie muss Millionenverluste verkraften, für die Mitarbeiter gibt es nichts mehr zu tun. Die Banken wollen kein Geld nachschießen. Die Pleite droht.

Statt für die Insolvenz entscheidet sich die HSH Nordbank, seit Jahrzehnten die Hausbank, für einen Neuanfang. Sie holt Fuchs und stellt ihm Rüdiger Wolf zur Seite. Der Ex-Roland-Berger-Berater kümmert sich um die Finanzen. Sie starten ihre schwierige Mission: die Werft wettbewerbsfähig machen gegen die Konkurrenz aus Asien und die Hunderten kleinen, verzweifelten Rivalen in Europa.

Sie lassen nichts beim Alten in dem Betrieb, in dem sich sehr lange nichts geändert hatte. "Ohne eine so große Krise hätten wir einen so radikalen Umbau gar nicht durchsetzen können", sagt Fuchs. "Das war nur möglich, weil die Bedrohung existenziell war und das auch jedem klar war."

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